Eigentlich war es schon immer so. Geisteswissenschaften und Naturwissenschaften sind gute Nachbarn, aber keine guten Freunde. Die beiden Kulturen zollen einander Anerkennung, doch es ist der Respekt von Fremden.

Kühl, mit verbindlicher Distanz. Auch wenn beide Wissenschaftskulturen dieselbe endliche Welt bewohnen, so scheinen sie doch in unterschiedlichen Galaxien zu Hause. Nur - warum sollte es bei dieser Unverbindlichkeit bleiben? Die ZEIT möchte mit ihrer neuen Sachbuchseite auch den Versuch unternehmen, die eloquente Sprachlosigkeit zwischen den unnahbaren Nachbarn zu überwinden. Schließlich erschöpft sich die Rezension wichtiger Bücher aus den Biowissenschaften und der Philosophie, aus Physik und Theologie, Hirnforschung und den Sozialwissenschaften nicht im Monolog der Kritik.

Rezensionen sind Gespräche aus der Ferne - nicht nur zwischen dem Kritiker und seinem Gegenstand, sondern auch zwischen den Kulturen der Wissenschaft.

Wer die Natur- und die Geisteswissenschaften miteinander ins Gespräch bringen will, darf den Graben nicht einfach überspringen, der ihre Themen und Passionen trennt. Aus diesem Grund haben wir, bevor der Dialog der Bücher beginnt, die Konfliktfelder abgesteckt und die Unvereinbarkeiten markiert.

Die untenstehende Kontroverse zwischen John Brockman und Jürgen Mittelstraß zeigt, wo die Geisteswissenschaften den Anspruch der Naturwissenschaften zurückweisen. Und wo umgekehrt die Naturwissenschaften glauben, die Geisteswissenschaften aufklären zu können.