Ich habe am letzten Tag des achten Schwangerschaftsmonats ein kleines Mädchen tot geboren. Der Grund war eine nicht erkannte Plazenta Provia.

Obwohl das Kind laut Bescheinigung also tot geboren worden war, mußte es einen Namen bekommen - es erhielt den vorgesehenen Namen Astrid. Außerdem wurde es bestattet. Leider durfte ich trotz meines dringenden Wunsches, das Kind weder sehen, geschweige denn einmal in den Arm nehmen. Man sagte mir, es sei schon "weggebracht". Dies war eigentlich das Schlimmste, was man einer Mutter antun kann. Ich habe lange gebraucht, um diese Geschehnisse zu überwinden.

Gisela Wallace, Laudenbach

"Wir lernen dazu", zitiert die Autorin den Neuköllner Professor für Geburtshilfe, Klaus Vetter. Wie nötig einige Mediziner solche Lernpensum haben, mag auch dieses Beispiel belegen: Eine junge Familie erwartete ihr drittes Kind, als im dritten Monat Blutungen einsetzten. Der weit über die Region hinaus geschätzte Gynäkologe stellt den Tod des Embryos fest und nahm eine Ausschabung vor. Im Abschlußgespräch kommentierte er gegenüber der Mutter: "Das war höchste Zeit. Ihr Kind war schon vergammelt."

Wolfhard Düver (Pfarrer) Bergen/Dumme

Besinnen wir uns doch bitte, das Menschsein gefragt ist und es vorrangig um Humanität gehen sollte und nicht um Vorschriften, Grammzahlen, Schwangerschaftsmonate ... Ein Festhalten an Prinzipien und Normen, ausgetragen auf dem Rücken der Leidtragenden (hier vorwiegend der Mütter und werdenden Mütter) halte ich für unerträglich in einer aufgeschlossenen, demokratischen Gesellschaft des 20. Jahrhunderts.

Klaudia Gennermann Wunstorf