Mit einem Finanzkraftakt will ein Münchner Investor den Ostharz aus dem touristischen Dornröschenschlaf wecken. Der "Planet Harz" dürfte dem Städtchen Blankenburg ein völlig neues Gesicht und der Wirtschaft Sachsen-Anhalts neue Impulse geben.

In knapp achtzehn Monaten sollen am Osthang des norddeutschen Mittelgebirges mehr als dreißig Bauprojekte aus dem Boden gestampft werden. Dazu gehören vier Hotels, Ferienhäuser und -wohnungen mit insgesamt 2000 Gästebetten, ein Einkaufs- und Vergnügungszentrum mit 24-Stunden-Betrieb, vier Golfplätze und ein Spaßbad. Nicht fehlen darf bei dem Erlebnispotpourri eine Musicalhalle, für die der Popproduzent Giorgio Moroder das Harzmusical "Hexy" schreiben wird.

Der Münchner Investor Winfried Hampe sieht seinen Planeten Harz "als größtes Tourismusprojekt in Deutschland". Als Wahrzeichen und Aushängeschild wird das leerstehende Große Schloß in Blankenburg unter der Regie von Radisson/SAS zu einem 5-Sterne-Hotel umgebaut. Die Mehrzahl der Angebote soll aber volkstümlich sein. Die Mitgliedschaft in einem Golfklub werden sich bei einem Jahresbeitrag von 660 Mark auch Normalverdiener leisten können.

Die Eröffnung ist bereits für Mitte 1999 geplant - rechtzeitig zur Bundesgartenschau in der nahen Landeshauptstadt Magdeburg. Bis dahin will die Münchner Harz GmbH eine halbe Milliarde Mark verbaut und rund tausend neue Arbeitsplätze geschaffen haben. Vierzig Prozent der Kosten steuert die öffentliche Hand als Zuschuß bei.

In der 20 000-Einwohner-Stadt mit knapp zwanzig Prozent Arbeitslosen ist der Investitionsregen hochwillkommen. "Die Zustimmung zu dem Projekt liegt bei achtzig Prozen", sagt Bürgermeister Heinz Behrens (SPD). "Die Blankenburger haben große Erwartungen."

Bislang liegt der zu Sachsen-Anhalt gehörende Ostharz im Vergleich mit seinen niedersächsischen Nachbarn in einem touristischen Dornröschenschlaf. "Zu uns kommen bislang vor allem Tagestouristen aus dem Westharz, die wenig Geld ausgeben", so der Sprecher des Magdeburger Wirtschaftsministeriums, Helmut Starauschek.

Investor Hampe glaubt nicht, daß sein gigantisches Vorhaben lediglich Besucher vom West- in den Ostharz umleiten wird. "Mit einem solchen Angebot läßt sich auch der Gesamtharz besser vermarkten." Damit sich die enormen Investitionen rechnen, muß die Anlage das ganze Jahr hindurch ausgelastet werden. Hampe baut beispielsweise im Planeten Harz die größte deutsche Schießsportanlage, "weil die 14 000 deutschen Schützenvereine außerhalb der Hauptsaison verreisen."