In einem merkwürdigen Stück schildert Walter Benjamin zwischen den Weltkriegen den "destruktiven Charakter" als Gegenstück des "Etui-Menschen".

"Der destruktive Charakter", schreibt er, "kennt nur eine Parole: Platz schaffen nur eine Tätigkeit: räumen." Die letzte Destruktion wäre der Weltuntergang. Am 24. Juli 1943 war er für Hans Erich Nossack gekommen.

"Ich habe den Untergang Hamburgs als Zuschauer erlebt", beginnt Nossacks Großer Gesang vom Feuersturm, der am 24. Juli 1943 und den folgenden Tagen Hamburg verwüstete, und damit beginnt auch der Schriftsteller Nossack. Der Deckname, den die Alliierten ihrer Vernichtungsaktion gaben, Operation Gomorrha, war genau das, was sich Nossack wünschte: Tod und Verderben sollten vom Himmel regnen auf die sündige Welt.

Sein gesamter Besitz, seine Manuskripte, alles wurde vernichtet, aber der Zuschauer draußen in der Heide frohlockt: Unter geht die falsche Welt, falsch nicht einmal wegen der Nazis, sondern weil sie sich auf den Grund versündigt hat.

Verloren im Feuer auch ein mehr als zwanzig Jahre lang als Ersatz für Buch und Ruhm geführtes Journal. Diese Katastrophe brachte endlich den ersehnten Erfolg: die Welt ging unter, die Vergangenheit war fortgeräumt, Platz da für den destruktiven Charakter. Wer den Untergang überlebt, hat endlich etwas zu erzählen.

Die zehn Jahre davor nur Stupor, ein Überleben durch Totstellen. Zerstreutes Hinausschaun, aber ohne Aussicht auf Änderung: "Ich sehe mich noch am Fenster stehen und sonntagnachmittags auf die Brahmsallee hinunterblicken mit einem Gefühl der Leere schon jenseits der Verzweiflung."

Überlebt ausgerechnet als "Etui-Mensch". Der Sohn wollte keiner werden wie der Vater, kein Kaufmann, Schreiben war sein Beruf, die Literatur, die Expressionismus hieß. Nossack begeisterte sich wie jeder fühlende Mensch für die Oktoberrevolution, trat in die KPD ein und dann in ein Freikorps, bis ihn der Mord an Walter Rathenau 1922 endgültig zur "Ablehnung der bürgerlichen Herkunft" brachte. Verschuldet und verzweifelt, gab er das Jurastudium in Jena auf, nachtwächterte, arbeitete in der Fabrik und erniedrigte sich noch weiter, als er ins vatermütterliche Hamburg zurückkehrte, den Eltern Silberzeug stahl und verkaufen wollte.