Wer sagt es denn: Wir sind ein braves Volk, immer noch geblieben. Wenn die da oben etwas anordnen, gehorchen wir. Helmut Kohl hat uns den Euro oktroyiert, das Parlament ist ihm mit überwältigender Mehrheit gefolgt, und die meisten Deutschen sagen inzwischen Amen dazu, obwohl sie eigentlich dagegen sind. Eines der dramatischsten Reformprojekte dieses Jahrhunderts wird am 2. und 3. Mai in Brüssel verabschiedet - und niemand regt sich mehr auf. Die letzte Euro-Krise wurde im Frühjahr l997 von den Bayern angezettelt.

Seitdem sagt Edmund Stoiber nicht mehr viel. Auch der notorische Euro-Kritiker Kurt Biedenkopf spricht in letzter Zeit nicht mehr von Verschiebung. Selbst Gerhard Schröder hält den Mund - klugerweise, heißt es in Bonn. An die Adresse der SPD wird dort gern die alte Wahlkämpfer-Weisheit gerichtet: "Niemals ein Thema hochziehen, für das man keine Lösungskompetenz hat."

Wir haben uns gefügt. "Fatalistischer Pessimismus, das Sichabfinden und -einrichten mit Problemen ist ein Merkmal der aktuellen deutschen Verfassung", resümierte Renate Köcher, Meinungsforscherin in Allensbach, zum Jahreswechsel. "Der Euro kommt", ist inzwischen überwiegende Volksmeinung, "ob wir wollen oder nicht."

Wenn Klaus Gotto, der Leiter der Inlandsabteilung im Bundespresse- und Informationsamt in Bonn, das hört, zieht ein stilles Leuchten über sein Gesicht. Warum freut er sich so? Weil der Slogan, den seine Kreativen, der Bundeskanzler eingeschlossen, sich ausgedacht haben, gar nicht mehr in Frage gestellt wird. Schon seit l996 träufeln sie uns ins Unterbewußte: "Der Euro kommt." Wir brauchten nur noch daran zu glauben. Wer in Zukunft von Vertrauenswerbung spricht, wird die Euro-Kampagne genau studieren müssen.

Das Bundesfinanzministerium hatte als Slogan vorgeschlagen: "Der Euro ist stabil." - "Ganz falsch", fand Gotto, der gelernte Historiker, "das glaubt niemand." Dabei glaubt inzwischen sogar Jürgen Stark, der Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, von Le Monde zum (furchterregenden) Ideologen der deutschen Stabilitätsphilosophie ernannt, daß die potentiellen Risiken auf ein Minimum reduziert sind. "Ich kann guten Gewissens mit diesem Projekt starten." Er sei kein Europhoriker, sondern Realist. Für die Deutsche Mark ändert sich in seinen Augen nicht viel, sie heißt vom 1. 1. 1999 eben nur Euro. Alle anderen Europäer sind eingeladen, ihre Währung auf das Podest der D-Mark zu stemmen. Den Experten beschäftigen längst andere, brennendere Probleme, zum Beispiel die Krise auf den asiatischen Finanzmärkten. Der Euro?

Abgehakt.

Dagegen ist für das Bundespresseamt die Arbeit noch nicht getan, es kann die Öffentlichkeit auch nicht mit dem Rohrstock bearbeiten. Unter den Prominenten, die für die Euro-Kampagne um testimonials gebeten wurden, befand sich kein Unionspolitiker - bitte nicht dafür aber Altbundeskanzler Helmut Schmidt, die Brüsseler Kommissarin Monika Wulf-Mathies und Hubert Markl, der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft - unverdächtige Zeugen. Seriosität war gefragt, keine Faxen, auch hochwitzige Einfälle waren nicht erlaubt. "Die verträgt das Thema Geld nicht", sagt Gotto und gibt damit nur die Meinung des Bundeskanzlers wieder, der die Kampagne eng unter Kontrolle hält.