Ein Europäisches Zentrum für Vulkanismus und Erdwissenschaften will Frankreich zur Jahrtausendwende in der Auvergne eröffnen. Der Wissens- und Freizeitpark Vulcania, geplant von dem österreichischen Architekten Hans Hollein, soll etwa fünfzehn Kilometer nordwestlich von Clermont-Ferrand entstehen, inmitten der Vulkanhügel, die den Puy de D'me umgeben. Vor wenigen Wochen erst erging die Baugenehmigung.

Proteste von Umweltschützern, sozialistischen und grünen Regionalpolitikern hatten den Beginn der Arbeiten verzögert. Sie befürchteten, daß durch den Bau von Vulcania auf einem ehemaligen Militärgelände bei Saint-Ours-les-Roches eines der wichtigsten natürlichen Trinkwasserreservoirs der Region bedroht werde, und lehnen einen Einbruch des Massentourismus in den Parc Naturel des Volcans d'Auvergne mit seiner weitgehend unberührten Landschaft ab. Auch die neue französische Umweltministerin Dominique Voynet steht dem voraussichtlich 420 Millionen Franc teuren Projekt wegen des damit verbundenen hydrogeologischen Risikos skeptisch gegenüber.

Für Valéry Giscard d'Estaing, Präsident des Regionalrats in seiner Heimat Auvergne und Hauptinitiator des Wissenschaftsparks, ist Vulcania hingegen das "einzige große Kulturprojekt des Jahres 2000". Zumindest was die Fläche anbelangt, wird ihm sicherlich niemand widersprechen: 57 Hektar umfaßt das Vulcania-Gelände, das durch eine neue Straße mit dem Puy de D'me, dem höchsten der circa achtzig um Clermont-Ferrand liegenden Vulkane, verbunden werden soll.

Hans Hollein konzipierte für das Areal des Vulkanparks eine teils unter-, teils überirdische Anlage, deren optisches Zentrum ein grauer, offener Kegel bildet. Seine Form soll an die Silhouette der umliegenden Vulkane erinnern.

Um den Kegel gruppieren sich ein in die Erde versenkter, von einem Glasdom überwölbter Garten mit Basaltfelsen und tropischer wie regionaler Vegetation, ein offener, ebenfalls versenkter Filmsaal in Form eines Amphitheaters sowie der rechteckige Gebäuderiegel des eigentlichen Zentrums für Vulkanismus. Eine Spiralrampe soll den Besucher gut zwanzig Meter tief ins Innere der Erde bringen.

Mittels ausgeklügelter Kommunikationstechniken erhalten Touristen dort Einblick in das dynamische System unseres Planeten. Sie können Erdbeben am eigenen Leib erleben, Schwefelgeruch atmen, glühendes Magma und Geysire bestaunen. Es wird die Vulkankette des Puy de D'me als Riesenmodell zu sehen sein, desgleichen Nachbildungen anderer Feuerberge auf unserer Erde. Überdies dokumentiert der Parcours die Topographie des Meeresbodens.

Mit rund 500 000 Besuchern pro Jahr rechnen die Initiatoren. Als Eintrittspreis werden 100 Franc (etwa 33 Mark) zu zahlen sein. Hotelketten haben bereits Interesse bekundet. Auf dem Gelände selbst dürfen keine Hotels entstehen, aber knapp drei Kilometer entfernt.