Glaube allein

Nicht jeder wichtige Streit wird von den Zeitgenossen sofort als solcher erkannt. Oft genug erwächst erst aus dem großen Abstand die klare Einsicht: Da, an dieser Stelle, hat die Auseinandersetzung angefangen, hat sie sich nach und nach ausgeweitet - und hat schließlich unversehens die Welt verändert. Umgekehrt entstehen im Rückblick auf die Geschichte auch Mythen, die den wahren Ablauf verzerren Mythen, an denen sich das historische Bewußtsein leidenschaftlich orientiert, leidenschaftlich - aber zu Unrecht.

Zum Beispiel fing die weltumwälzende Reformation nicht am Reformationstag an, am 31. Oktober 1517. Es ist mehr als zweifelhaft, daß Martin Luther an diesem Tag seine 95 Thesen gegen das Ablaßwesen so heftig an die Tür der Schloßkirche von Wittenberg genagelt hat, daß die Hammerschläge durch ganz Deutschland dröhnten, bis hinein in die Schulfilme der fünfziger Jahre unseres Jahrhunderts, die uns die Reformation in Schwarz und Weiß erzählten.

Fest steht, daß er seine Thesen in einem Brief an zwei Bischöfe geschickt hatte. Wir wissen aber nicht, ob, wann und wie Luther seine Zunftgenossen zu Wittenberg öffentlich, universitätsöffentlich, wie wir heute sagen würden, zu einem Streitgespräch darüber eingeladen hat. Und wenn er es getan haben sollte, so hat es offenbar monatelang niemand bemerkt. Jedenfalls hat diese akademische Disputation niemals stattgefunden.

Jetzt gehen die Theologen auf die Barrikaden

Aber wie sind wir jetzt eigentlich auf Luther gekommen? Weil in diesen Wochen, ja seit ein paar Monaten, sich eine Auseinandersetzung zusammenbraut, die es nun haarscharf mit jenem wirklich weltumstürzenden Punkt im Denken des Wittenberger Bibelprofessors zu tun hat.

Freilich, es ist Religionsstreit - und keiner hört hin.

Das ist zwar auch wieder maßlos übertrieben, aber soviel trifft zu: Vorerst treibt die Sache nur die artikulierten Protestanten um. Daß die Kontroverse das Licht der breiteren Öffentlichkeit erreicht hat, ist nicht zuletzt das Verdienst der FAZ und ihrer wachsam-engagierten Redakteurin Heike Schmoll, einer der wenigen noch vorhandenen church editors im traditionellen Sinne von diesem Forum aus hat der Streit dann ins protestantische Milieu potenzierend zurückgewirkt. Inzwischen sind viele Professoren der Theologie auf die Barrikaden gegangen und haben sich unter Anführung ihrer Besten auf ein gemeinsam unterzeichnetes Alarm-Schreiben an alle lutherischen Landessynoden verständigt.

Glaube allein

Was kümmert das die übrige Welt? Und worum handelt es dabei eigentlich? Kann das, bitte, jemand einmal erklären? Schwer genug, aber solange sich die Welt höchst interessiert das Maul darüber zerreißt, mit der wievielten Frau ein denkbarer Kanzlerkandidat verheiratet ist, lohnt sich ein Blick auf diese Kontroverse allemal, auch für den Atheisten, die Agnostikerin, kurz: auch für die Verächter der Religion, zumindest für die Gebildeten unter ihnen.

Es geht um nichts weniger als um den Versuch einer großen historischen Gegenbewegung. Die römisch-katholische Kirche und der Lutherische Weltbund, Spötter sagen: der große Vatikan in Rom und der kleine Vatikan in Genf, führen seit einiger Zeit Gespräche mit dem Ziel, die Kirchenspaltung des 16.

Jahrhunderts zu mildern. Mit anderen Worten: in der Absicht, die geistesgeschichtliche Explosion der Reformation zu überwinden. Gar zu kassieren?

Aber - und just hier fängt der Streit an - geht das überhaupt, ohne das theologische Denken Martin Luthers zu entschärfen, ohne ihm die Spitze zu nehmen? Und ohne die Identität und das Bekenntnis der lutherischen Kirchen abzuschleifen?

Das von den beiden Verhandlungskommissionen im vergangenen Frühjahr vorgelegte Papier, das als "Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre" firmiert, führt nun vor allem im deutschen Protestantismus zu heftigem Streit. Die brisanten und notwendigerweise spitzfindigen, weil die Spitze des Problems bezeichnenden Einzelheiten der Debatte sind zwar selbst dem sogenannten einfachen Kirchenvolk schwer zu erläutern. Aber die theologische Frage, um die es im Kern bei der "Rechtfertigungslehre" geht, müßte selbst - ja, gerade erst recht - für den modernen, den (vermeintlich) vollkommen religionslosen Zeitgenossen spannend sein.

Und dazu müssen wir jetzt doch wieder auf Martin Luther selber kommen. Denn seine persönliche Entwicklung, die sich in ihren Sprüngen an fast legendären Erlebnissen anekdotisch veranschaulichen läßt, ist ein einprägsames Symbol für einen epochalen profan- wie kirchengeschichtlichen Ruck und Riß.

Übrigens, wenn man so will, auch für eine höchst moderne existenzphilosophische Radikalität sondergleichen, die bis in den Kirchenkampf der Nazizeit und in das Martyrium eines Dietrich Bonhoeffer hineinreicht.

Glaube allein

Am 2. Juli des Jahres 1505 wird Luther, Student noch an der Erfurter Artistenfakultät bei Stotternheim, von einem schrecklichen Gewitter überrascht. Er wirft sich zu Boden, ruft die hl. Anna an, Schutzpatronin der Bergleute (sein Vater arbeitete im Bergbau), und legt ein Gelübde ab: "Ich will ein Mönch werden."

Der Zorn des Vaters, der einen Juristen aus ihm machen wollte, wird ebenso überwunden wie der anfängliche Zweifel über die Bindewirkung eines solchen Gelübdes. Seine gesamte Zeit als Mönch leidet Luther unter "Anfechtungen" und unter der zur Legende gewordenen Frage: "Wie kriege ich einen gnädigen Gott?"

Schon viele psychoanalytisch inspirierte Autoren haben sich, in jeder Hinsicht ferndiagnostisch, an einer Erklärung dieser radikal-bohrenden Frage versucht. Selbst Luthers Vorgesetzte haben bisweilen über diese Selbstzweifel eines um Vollkommenheit ringenden Mönches besorgt den Kopf geschüttelt, ihm auch geraten, es nicht gar zu weit damit zu treiben: Um "Puppensünden" zerbreche er sich Kopf und Seele, sagt ihm sein väterlicher Freund und Förderer Staupitz.

Aber was ist eigentlich, selbst aus heutiger Sicht, verwunderlich an Luthers Frage und ihrer verzweiflungsvollen Unstillbarkeit? Zum Beispiel, wenn man einmal, modern gesprochen, das Problem menschlicher Existenz ohne Verdrängung scharf ins Auge faßt und unverstellt auf sich einwirken läßt, die Frage nach Ursache, Sinn und Folgen, nach Leben und Tod, Verantwortung und Schuld stellt - und dabei nur die bequemen Kurzschlüsse vermeidet, als da wären: die religiöse Vertröstung, der humanistische Optimismus, der nihilistische Zynismus, die narzißtisch-konsumistische Narkose - oder die schlichte Gedankenlosigkeit?

Verwunderlicher als Luthers existentielle Radikalität ist eigentlich das Staunen darüber, und das zumal heute, nach den apokalyptischen Katastrophen dieses Jahrhunderts und nach der in Naturwissenschaften wie Psychoanalyse, in Philosophie wie Literatur verschärften Selbstwahrnehmung und Innenbesichtigung des Menschen.

Luther jedenfalls geht durch alle Höllen und Tröstungen der vielseitigen Frömmigkeitspraxis seiner Zeit - und zuweilen erweisen sich gerade die Tröstungen als wahre Höllen. Selbst - und gerade - die auf die Spitze getriebene "Demutstheologie", eine Haltung, in der Luther wenigstens dadurch Anerkennung bei seinem Gott sucht, daß er in äußerster Demut dessen Urteil über sich selbst als Sünder anerkennt, erweist sich als Falle, als Sackgasse: Woher soll er wissen, ob er jemals demütig genug sein kann?

Die Einsicht, mit der Luther aus all diesen Sackgassen herausfindet, die Einsicht, auf die hernach die lutherischen Kirchen ihr Bekenntnis bauen, überkommt ihn wiederum in einem anekdotisch fixierten Erlebnis - dem "Turmerlebnis" im Wittenberger Augustinerkloster, das von der kirchengeschichtlichen Forschung irgendwann zwischen 1513 und 1519 datiert wird, Luther selber legt es in einem Lebensrückblick auf das Jahr 1518/19. Er saß damals über dem Römerbrief des Apostels Paulus, über dem 17. Vers des 1.

Glaube allein

Kapitels, in dem es heißt, die Gerechtigkeit Gottes werde im Evangelium offenbart. Und nun lohnt es sich, Luther selber zu lesen:

"Ich haßte nämlich dieses Wort ,Gerechtigkeit Gottes', weil ich durch den Brauch und die Gewohnheit aller Lehrer unterwiesen war, es philosophisch von der formalen oder aktiven Gerechtigkeit (wie sie es nennen) zu verstehen, nach welcher Gott gerecht ist und die Sünder und Ungerechten straft. Ich konnte den gerechten, die Sünder strafenden Gott nicht lieben, im Gegenteil, ich haßte ihn sogar ... Als ob es noch nicht genug wäre, daß die elenden und durch die Erbsünde ewig verlorenen Sünder durch das Gesetz des Dekalogs mit jeder Art von Unglück beladen sind - mußte denn Gott auch noch durch das Evangelium Jammer auf Jammer häufen und uns auch durch das Evangelium seine Gerechtigkeit und seinen Zorn androhen? ... Da erbarmte sich Gott meiner. Tag und Nacht war ich in tiefe Gedanken versunken, bis ich endlich den Zusammenhang der Worte beachtete: ,Die Gerechtigkeit Gottes wird in ihm (im Evangelium) offenbart, wie geschrieben steht: Der Gerechte lebt aus dem Glauben.' Da fing ich an, die Gerechtigkeit Gottes als eine solche zu verstehen, durch welche der Gerechte als durch Gottes Gabe lebt, nämlich aus dem Glauben ... Da fühlte ich mich wie ganz und gar neu geboren, und durch offene Tore trat ich in das Paradies selbst ein."

Man kann diese im "Turmerlebnis" blitzartig verdichtete Einsicht, gewonnen aus einem Übersetzungsproblem (was heißt "Gerechtigkeit Gottes" an dieser Stelle - strafende Gerechtigkeit oder nicht vielmehr: gerecht machende Zuwendung?), getrost zu den Sternstunden der Menschheit rechnen. Und es nimmt dieser Einsicht nichts von ihrem Rang, wenn Luther in den Tischgesprächen beiläufig mitteilt: "Dise kunst hatt mir der Spiritus Sanctus auf diss Cloaca eingeben." Der Ausscheidungs-Kampf gegen die Anfechtungen des Teufels ist bei Luther durchaus auch mit fäkalen Aussonderungen verbunden, man deute diese ganzheitliche Drastik analytisch, wie man wolle. Wer weiß, ob nicht auch der legendäre antiteuflische Wurf mit dem Tintenfaß nur die bürgerlich bereinigte Version darstellt? So radikal kann, muß sich vielleicht die Verachtung des Versuchers ausdrücken.

Wie dem auch sei: Luther gewinnt eine nicht mehr zurückzuholende Einsicht und tritt durch offene Tore ins Paradies selbst ein.

Just diese Einsicht bringt nun die eigentlich reformatorische Wende hervor, um die gegenwärtig neu gestritten wird. Hat Luther recht, so ist - wiederum modern gesprochen - der Mensch außerstande, seinen eigenen Sinn zu konstituieren, zu setzen, zu schaffen und durch Leben und Tod hindurch zu bewahren. Jeder derartige Versuch wäre fromme Illusion, die in jeder existentiellen Herausforderung platzt. Der Mensch kann diesen Sinn aber folgerichtigerweise auch nicht zerstören. In den vereinfachten Schritten einer Konfirmanden-Theologie ausgedrückt: Wenn die Frage "Wie kriege ich einen gnädigen Gott?" mit der Auskunft beantwortet werden muß: "Nicht durch eigene Verdienste, Anstrengungen, gute Werke, sondern allein durch den Glauben", so kann auch dieser Glaube, also diese Beziehung, kein verdienstvolles Werk, keine menschliche Leistung sein. Das eben ist die Pointe jenes lutherischen theologischen Hauptsatzes namens "Rechtfertigungslehre".

Noch einmal in die zeitgenössische Sprache gewendet, könnte man auch vom Hauptsatz einer durchaus zweischneidigen "Befreiungstheologie" reden: Zum einen wird der Mensch aus dem Leistungsdruck und Erfolgszwang entlassen, sich im Letzten ständig selber zu rechtfertigen, sein Dasein zu legitimieren - vor sich, vor Gott und der Welt er kann vielmehr einfach da sein. Zum anderen aber wird ihm, weniger gemütlich, die Illusion durchstrichen, er könne diese Selbstversicherung - ganz Erfolgsmensch, der er ist oder doch ganz gerne sein will -, wo es ihm denn in den Kram paßt, ganz hübsch alleine erreichen. Eine solche existenztheologisch kritische Sicht sollte keine aktuelle Bedeutung mehr haben? Wenn der Mensch mehr, ja wesentlich etwas anderes ist als die Summe seiner Taten und Untaten (Eberhard Jüngel), dann erst gibt es tatsächlich eine von Menschen nicht anzutastende Menschenwürde. Und die darf, zum einen, der Staat selbst gegenüber einem schwer straffällig gewordenen Menschen nicht verletzen erst recht muß in dieser Sicht die Todesstrafe als menschenwidriger Skandal gelten. Zum anderen aber: Es gibt auch keinen menschlichen Richter, dessen Sprüche vollendete Gerechtigkeit stiften könnten. Und so ließe sich diese Einsicht immer weiter buchstabieren durch die Wirtschaft und die Naturwissenschaft, gegenüber allen Versuchen, menschliche Werte zu beziffern, menschliche Existenzen zu berechnen, zu klonen ...

Zwanghafte Selbstrechtfertigung wie zwanghafte Selbstverwirklichung erfahren hier eine Grenze. Dietrich Bonhoeffer bezeichnete dies als die "Befreiung von der Knechtschaft des selbstgewählten Weges". Zumindest in ihrem kritischen Teil eine Denkfigur keineswegs nur für Kirchgänger.

Glaube allein

Und warum gibt es nun darüber Streit?

Um die Probleme auf den wesentlichen Punkt zu konzentrieren: Wenn die katholische Kirche und die lutherischen Kirchen die Spaltung des 16.

Jahrhunderts durch Lehrverständigung überwinden wollten, müßten sie zwangsläufig (aus historischen wie aus theologischen Gründen) bei Luthers Einsicht ansetzen - zugespitzt eben in der "Rechtfertigungslehre". Und sie müßten sich diese entweder gemeinsam zu eigen machen oder sie gemeinsam um ihre radikale Pointe bringen.

Der Vatikan bleibt starr. Also gibt es keinen Konsens

Das eine kann, wie die Verhandlungen um die "Gemeinsame Erklärung" zeigten, Rom (noch) nicht, denn dies hätte umwälzende Folgen für das römische Kirchenverständnis derzeit erkennt der Vatikan die Kirchen der Reformation ja nicht einmal als Kirchen an, was auch, ziemlich befremdlich, die "Gemeinsame Erklärung" dokumentiert. Das andere, die Nivellierung der lutherischen Theologie, können die lutherischen Kirchen nicht zulassen, wenn sie ihren grundlegenden Bekenntnissen nicht untreu werden wollen.

So erzeugt das auch den deutschen lutherischen Landessynoden zur allfälligen Zustimmung vorgelegte Verhandlungsergebnis nur den Eindruck eines Konsenses in Grundfragen oder: eines Grundkonsenses in Fragen der Rechtfertigung - was immer die Klauseln eines Formelkompromisses sein mögen. Zum Ausbruch kam der Streit unter den protestantischen Theologen, als im Laufe der Verhandlungen das zwischen den Delegationen am entscheidenden Punkt schon erzielte Ergebnis wieder verunklart wurde, und zwar aufgrund einer Intervention der römischen Glaubenskongregation.

Zunächst hatte es in der maßgeblichen Passage geheißen, die "Rechtfertigungslehre" sei das Kriterium, an dem sich die gesamte Kirche auszurichten habe, also das einzige Kriterium, entsprechend dem lutherischen "sola fide" - allein durch den Glauben sei der Mensch gerechtfertigt. In der verschlechterten letzten Fassung heißt es nun als gemeinsam formulierte Feststellung, diese Lehre sei ein Kriterium, wenngleich ein "unverzichtbares" - was immer das Füllwort heißen mag, wenn man nicht weiß, welche anderen, möglicherweise im Widerspruch dazu stehenden Kriterien vielleicht auch noch Geltung beanspruchen. Es wird dann aus dem weiteren Text aber schnell klar, daß die katholische Seite unter manchem anderen an der Heilsnotwendigkeit oder doch -förderlichkeit der guten Werke festhalten will. Dann aber fängt, wie bei der "Demutstheologie", der alte Zirkel wieder an: Wieviel Demut, wie viele Werke sind denn notwendig? Kann eine menschliche Leistungsfrömmigkeit je an ihr Ziel kommen? Oder mit einer anderen Formulierung Ernst Käsemanns aus seinem Kommentar zum Römerbrief: Es kommt erneut zum Mißverständnis eines "teils aus Glauben, teils aus Werken".

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An der Haltung des Vatikans in diesem Punkt und in anderen wichtigen Fragen zum Thema mag Tadel von außen gar nicht zulässig sein - nur hat man dann im entscheidenden Punkt eben keinen Konsens (und sollte auch nicht so tun, als ob), nämlich in dem Punkt, an dem nach lutherischem Bekenntnis "die Kirche steht oder fällt".

Und das soll das Kirchenvolk (das übrigens, wie die erst richtig anhebende Debatte zeigt, keineswegs allzu schlicht denkt), das soll gar das kirchenlose Volk interessieren? Was dazu theologisch und kirchlich zu sagen ist, müssen Theologen und Kirchenleute untereinander ausmachen. Der Streitfall ist aber darüber hinaus durchaus von Interesse, und zwar nicht nur vom historischen oder rein bildungsbürgerlichen Standpunkt aus - schon gar nicht aus national-kultureller Nostalgie es sind nämlich fast ausschließlich die deutschen Protestanten mit ihrer keineswegs spannungslosen Gemengelage aus lutherischen, reformierten und unierten Landeskirchen der Reformation, die in dieser Sache kritisch reagieren. Nein, das außerkirchliche, weiterreichende Interesse liegt darin: Luthers existentialtheologische Analyse kann über die Jahrhunderte hinweg gerade für die moderne Existenzphilosophie Herausforderung und Ansporn sein. Dies aber nur, wenn ihr der Stachel nicht ausgerechnet von den eigenen Leuten gezogen wird.