Zum SPD-SED-Papier befindet Hintze, er verkenne nicht dessen antitotalitäre Eignung. Diese Kröte habe die SED jedoch geschluckt dafür, daß ihr die SPD Friedens- und Reformbereitschaft attestierte. Und wie regimeerhaltend habe sich die SPD zu Solidarnoc in Polen verhalten, wie ignorant zur DDR-Opposition. Sehen Sie die neuen Länder! ruft Hintze, aus dessen Büro im zehnten Stock des Adenauer-Hauses sich herrlich übers Rheintal blicken läßt.

Mit ihrer Wackelhaltung zur PDS macht die SPD keine Punkte. Beziehungen zu den Kommunisten sind immer zu Lasten der Sozialdemokraten gegangen.

Jetzt wird's gemütlich. Das Gespräch hat Magdeburg erreicht, gewiß Peter Hintzes ostdeutsche Lieblingsstadt. Frühling war's, 1994. Mühsam durchstapften die Zugpferde der Bonner Parteien das Ödland vor der herbstlichen Bundestagswahl. Da fiel Hintze himmlisch Manna vor die Füße: das Ergebnis der Magdeburger Landtagswahl. Fortan regierte Sachsen-Anhalt eine rotgrüne Minderheitsregierung, toleriert von der PDS. Hintze und die Seinen schufen jenes Plakat, das den CDU-General noch heute begrüßt, wenn er aus dem Fahrstuhl tritt: eine Wäscheleine vor tiefblauem Grund, die, grün angeklammert, ein flammend rotes Strümpfchen hält: Auf in die Zukunft ... aber nicht auf roten Socken!

Daß die PDS den textilen Geistesblitz bis zum Socken-Souvenirverkauf vereinnahmt hat, dagegen, sagt Hintze, könne man sich nicht wehren. Der CDU-Wahlerfolg der Kampagne sei unbestreitbar. Man müsse verhindern, daß die alten SED-Schurigler abermals die Hebel der Gesellschaft in die Finger bekämen.

Auch Peter Hintze verfügt über das westdeutsche Talent, sich aus wenigen Teilen einen kompletten Osten zu basteln. Die DDR hat er als ein sehr bedrückendes Zwangssystem erlebt, aber viel mehr scheint nicht interessant.

Auf der Abiturfahrt nach Berlin machte Hintze am Bahnhof Friedrichstraße erstmals die Bekanntschaft der DDR-Grenzschikanen. Bei der Ausreise wurde der Klassenlehrer festgenommen: Er entspreche nicht dem Bild in seinem Paß. 1973 während der Ostberliner Weltjugendfestspiele erfreute sich Hintzes Junge-Union-Gruppe liebevoller Abschirmung durch berufsjugendliche FDJ-Aufpasser. Später stammten viele seiner Ostinformationen aus Oybin, der Partner-Pfarrgemeinde von Königswinter. Heinz Eggert hieß Hintzes dortiger Amtsbruder und wurde nach der Wende Innenminister von Sachsen.

Dann war die Stunde um. Hätte man Hintze noch predigen müssen, daß auch die PDS Menschen in der parlamentarischen Demokratie sozialisiert? Daß Erich Honeckers 1987er Staatsbesuch bei Helmut Kohl unvergessen bleibt als inkarniertes CDU-SED-Papier? Daß Treuhand-Chef Rohwedder, nachts auf den Fluren seiner Anstalt melancholisch Rollschuh laufend, zu den zärtlichsten Figuren im Grass-Roman "Ein weites Feld" gehört? All das, oder Ähnliches, weiß Peter Hintze. Und es gewinnt ihm keine Wahl.