Ein Amerikaner in Turin. Paolo Fresco, derzeit noch zweiter Mann beim amerikanischen Mischkonzern General Electric (GE), wird zur Jahresmitte den jetzigen Fiat-Präsidenten Cesare Romiti ablösen. Fresco ist dann gerade 65 Jahre alt Romiti wird 75. Fast ein Vierteljahrhundert lang hat Cesare Romiti als Italiens Manager Nummer eins bei Fiat gedient. Und seit zwei Jahrzehnten bestimmte er im Tandem mit dem "Avvocato" Giovanni Agnelli, dem Oberhaupt der Agnelli-Familie, die Geschicke des Konzerns. Die Agnellis sind immer noch größter Fiat-Aktionär. Ihr Hoffnungsträger für die Führungsrolle im Konzern, Giovanni Alberto Agnelli, war Ende 1997 im Alter von 33 Jahren an Krebs gestorben. Mit dem 22jährigen John Elkann wurde vergangenes Jahr zwar ein Enkel des Avvocato in den Vorstand gewählt, doch bis er zu größeren Aufgaben gereift ist, ist ein neuer starker Mann vonnöten.

Paolo Fresco bringt gute Voraussetzungen mit, um die Globalisierung des größten italienischen Privatunternehmens weiter voranzutreiben. Schließlich schaffte es der gebürtige Mailänder, gleich nach dem knallharten Konzernchef Jack Welch auf den zweiten Platz von GE aufzusteigen. Und General Electric gilt als das Vorzeigebeispiel für die konsequente Umsetzung des Shareholder-value-Prinzips.

Offiziell wird Cesare Romiti in der traditionellen Januarsitzung des Fiat-Verwaltungsrates Ende dieser Woche seinen Abschied einleiten und zugleich für das Geschäftsjahr 1997 das seit langem beste Fiat-Ergebnis ankündigen. Der Konzern erreicht neunzig Milliarden Mark Umsatz und vier Milliarden Mark Gewinn vor Steuern. Mit Nutzfahrzeugen und Traktoren ist Fiat weltweit erfolgreich.

Der niemals zimperliche Romiti manövrierte Fiat mehrmals aus schweren Krisen heraus. Aber auch der Posten des ersten Managers im größten italienischen Konzern schützte Cesare Romiti nicht davor, daß er im Rahmen einer Bestechungsaffäre in erster Instanz zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Derzeit droht ihm noch ein zweites "Tangenten"-Verfahren.

Die Globalisierung auch des Geschäftes mit Personenwagen im Fiat-Konzern ist die erste Aufgabe, die nun dem neuen Präsidenten bevorsteht, schließlich bringen die Fiats, Alfas und Lancias immer noch den halben Konzernumsatz.

Paolo Fresco, Italiener in Kultur und Bildung, aber zugleich erfolgreicher amerikanischer Selfmademan, wird von Ehrenpräsident Giovanni Agnelli schon vorab gepriesen: "Er ist der Beste, der überhaupt zu bekommen ist." Der 75jährige Avvocato hat seinen alten Bekannten Paolo Fresco denn auch persönlich angeworben.

Seit 35 Jahren arbeitet Paolo Fresco bei GE, organisiert dort - für drei Millionen Dollar Jahresgehalt - internationale Kontrakte und strategische Beteiligungen. Seit 1996 sitzt er zudem im Verwaltungsrat von Fiat. Sein Abschied bei General Electric ist schon bald fällig, spätestens wenn er diesen Sommer 65 Jahre alt wird.