Kleine Firma, große Wirkung: Gerade einmal achtzig feste Mitarbeiter beschäftigt das World Economic Forum. Auch der Jahresumsatz hält sich mit fünfzig Millionen Mark in engen Grenzen. Trotzdem ist die Genfer Stiftung, die aus Prinzip keine Spenden annimmt, der weltweit erfolgreichste Veranstalter von Wirtschaftstreffen - und eine feste Größe der Weltpolitik.

Früher kamen die Unternehmer zu den Politikern, heute ist es umgekehrt. Von Nelson Mandela bis Helmut Kohl, von Benazir Bhutto bis Benjamin Netanjahu beehren Regierungschefs die Managertreffen gleich reihenweise. Der kleine Kosmos des Forums ist nicht nur ein Markt der Ideen, Kontakte und Eitelkeiten. Nirgends kann man auch besser beobachten, wie sich die Machtverhältnisse auf der Erde verschieben.

In dieser Woche feiert die Organisation wieder ihr größtes Fest: den jährlichen "Gipfel" im Schweizer Skiort Davos. Dort treffen sich rund tausend internationale Topmanager und noch einmal so viele Wissenschaftler, Journalisten, Politiker. Die Entscheidungsträger aus den Konzernen hören sich Nobelpreisträger und Managementgurus an, tummeln sich am Sonntag auf den Skipisten. Vor allem aber kommen sie an den Fuß des Zauberbergs, um zu machen, was sie am besten können: Geschäfte.

Während Tausender Essen, Empfänge und runder Tische tauschen sie nicht nur Visitenkarten, sondern bahnen auch Deals, Allianzen, Fusionen an. Da sind die rund 30 000 Mark im Jahr für die Mitgliedschaft des Unternehmens und die Teilnahme in Davos, was die Manager nicht mehr aussprechen dürfen: Peanuts.

Das World Economic Forum ist ein Globalisierungsmotor mit reichlich PS.

Und es hat sich selbst globalisiert. Neben der Davoser Vollversammlung veranstaltet die Stiftung ähnliche Treffen in denjenigen Oasen der Welt, die das globale Kapital am meisten locken. Vergangenes Jahr organisierte das kleine Unternehmen solche "Regionalgipfel" in China, Südostasien, Indien, Osteuropa, Südamerika und im südlichen Afrika. Allesamt gelten sie als erstklassige Investitionsbörsen: Staatschefs und Minister aus der jeweiligen Region werben dort in ewig gleicher Diktion für ihre Standorte.

Aber auch die erfolgsverwöhnten Kongreßerfinder vom Genfer See langen mal daneben. Während das neue Osteuropatreffen enormen Anklang fand, mußte ein jährlicher Industriegipfel in den Vereinigten Staaten mangels Interesse wiedereingestellt werden. Auch das hauseigene Magazin World Link ist kein Schlager geworden. Die Klientel ist eben anspruchsvoll. Mitglieder sollen die weltweit führenden tausend Multis sein - und nur die. Noch fehlen einige aus der Topriege wie die deutschen Chemieriesen Bayer, BASF und Hoechst, aber die Mehrheit der Großen und Wichtigen ist dabei. Auch deutsche Bosse wie Siemens-Chef Heinrich von Pierer treten im Davoser Kongreßzentrum auf.