Mögen Sie sich vorstellen, mit einem Schweineherzen in der Brust zu leben? Organe von Tieren in den menschlichen Körper zu verpflanzen ist ein alter Traum der Medizin. Die neue Biologie rückt ihn in greifbare Nähe: Gentechniker verändern Schweine derart, daß deren Zellen und Gewebe vom Immunsystem des Menschen toleriert werden. Die sogenannte Xenotransplantation verspricht Organe in Hülle und Fülle und soll in Kürze an Menschen erprobt werden.

Die amerikanische Gesundheitsbehörde Public Health Service wird demnächst wohl Richtlinien verabschieden, die klinische Studien der Xenotransplantation an Patienten erlauben. Die Pioniere in den Vereinigten Staaten könnten herz- oder leberkranken Menschen das Leben retten - und eine globale Seuchenkatastrophe heraufbeschwören.

Mit den animalischen Organen könnten nämlich tierische Viren in den Menschen gelangen. Deshalb fordern jetzt zwei Ärzte aus dem amerikanischen Harvard stellvertretend für viele Kollegen ein Moratorium der artübergreifenden Verpflanzung (Nature Medicine, Bd. 4, S. 142). Denn nicht nur der einzelne Empfänger würde infiziert, sondern Schweineviren seien eine Bedrohung für die gesamte Menschheit, wenn sie - mit tatkräftiger Hilfe der Xenotransplanteure - erst einmal den Sprung auf die Spezies Homo sapiens geschafft haben.

Die Warnung vor dem trojanischen Schwein ist ernst zu nehmen: Das tödliche Ebola-Virus sprang von einem Affen auf den Menschen auch das HI-Virus, welches die Immunschwäche Aids bewirkt, scheint diesen Weg genommen zu haben.

Und die Zucht virenfreier Tiere erscheint derzeit unmöglich. Die winzigen Erreger verstecken sich geschickt in den Zellkernen, haben englische Virologen bei Schweinen nachgewiesen.

Der Ruf nach einem Aufschub der Xenotransplantation ist daher nur zu berechtigt. Indessen offenbart er ein politisches Problem der Biomedizin: Egal, in welchem Winkel der Erde Wissenschaftler klonen (diesmal Rinder in Amerika, siehe Seite 38), Tierorgane verpflanzen oder andere Barrieren der Biologie überwinden, die Auswirkungen ihres Tuns bewegen und verändern die gesamte Welt. Gesetze einzelner Staaten können deshalb nur geringe Wirkung entfalten. Allein internationale Vereinbarungen, etwa die von den Deutschen bisher nicht unterschriebene Bioethik-Konvention der Europäischen Union, könnten die Medizin der Zukunft in ethisch gebotene Schranken weisen.