Am 30. Januar wird der Schreibtisch in der schönen Berliner Villa von der Heydt leer geräumt sein: Werner Knopp, zwanzig Jahre lang Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, geht in den Ruhestand. Und vom 1. Februar an ist die größte und bedeutendste Kultureinrichtung des Landes kopflos. Denn die Wahl eines Nachfolgers für Knopp wurde bisher verhindert.

Zum kleinen Gründungseinmaleins der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, in der die Kunstsammlungen des 1947 von den Alliierten aufgelösten Staates Preußen aufgefangen wurden, gehört ein Verhinderungsproporz. Mit dem man die Kunst vor dem Zugriff der zentralen Macht schützen wollte. Die Stiftung wird zu 75 Prozent vom Bund und zu 25 Prozent von den Ländern finanziert. Entsprechend ist der Bund im Stiftungsrat mit 120 Stimmen, sind die Länder mit 80 Stimmen vertreten. Zur Wahl eines neuen Präsidenten aber muß die Mehrheit des Stiftungsrates auch die der Länderstimmen einschließen.

Dreimal war seit dem vergangenen Oktober ein Stiftungstermin angesetzt, an dem die Nachfolge hätte geklärt werden können und müssen. Aber Bonn sagte entweder die Sitzung ab oder verhinderte die Abstimmung wg. unerwünschtem Ergebnis. Die Länder wollten Christoph Stölzl, den Kandidaten des Kanzlers, ebensowenig akzeptieren wie dieser den von den Ländern favorisierten Klaus-Dieter Lehmann. Stölzl, von Haus aus Historiker, der im Auftrag von Kohl das Deutsche Historische Museum in Berlin gründete, steht einem quietschfidelen Haus vor. Lehmann, der Generaldirektor der Deutschen Bibliothek in Frankfurt/Main, empfiehlt sich deshalb für das Amt, weil es in Berlin auch um die Zukunft der großartigen Bibliotheken geht.

Zwei Kandidaten, nobody is perfect. Also warten wir, ob nicht bei der nächsten Sitzung am 18. Februar vielleicht doch noch eine Einigung genannter Deal herauskommt, der zum Beispiel so aussehen könnte, daß das Saarland für Stölzl stimmt, weil der nächste Möchtegern-Kanzler mit ihm zur Schule gegangen ist? Nein, wir warten nicht, sondern verstehen die paralysierte Politik als Chance, einen Präsidenten zu fordern, den die Aufgabe fordert, und nicht der Proporz. Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu der siebzehn Museen gehören, ist der große kulturelle Schatz, den dieses Land besitzt. Um ihn sichtbar und dieses Kapital fruchtbar zu machen, bedarf es einer Autorität, die durch ihre Kompetenz den Zugriff der Politik ausschließt. Und die mit jener Leidenschaft und Seriosität eine kosmopolitisch begriffene Politik der Kunst betreibt, für die in Berlin Wilhelm von Bode einmal den Maßstab gegeben hat. Freiwillige nach vorn!