Journalisten sind lästige Kerle. Sie sind neugierig, und sie sind geschwätzig. Sie wollen alles wissen und können nichts für sich behalten.

Indiskretion ist ihr Beruf. Wer also will, daß Journalisten über etwas stille schweigen, jedenfalls eine Zeitlang, der sperrt sie am besten in einen Karzer.

So ist es uns ergangen, als wir gebeten wurden, ein neues Layout für die ZEIT zu erbrüten: ein halbes Dutzend Redakteure unter Quarantäne, in einem Raum irgendwo in den Katakomben des Verlagshauses, niemand wußte genau, wo. Regeln wie im Knast. Zwei Schlüssel, für die Chefs. Kein Blatt, keine Skizze, kein Entwurf verläßt den Raum. Überhaupt, dieser große, leere Raum, zwei Computer, sonst nichts. Der Geruch frisch verlegten Teppichbodens. Kreative Atmosphäre nennt man das. Alles bleibt der Phantasie überlassen.

Natürlich haben wir, als dieses Verlies sich vor uns auftat, erst einmal getan, was man gern tut bei der ZEIT: Wir haben die Sinnfrage gestellt.

Nicht: Wie verändert man ein bewährtes Layout? Sondern: Warum? Darf eine gestalterische Ikone wie sonst in Deutschland wohl nur die Frankfurter Allgemeine Zeitung überhaupt angetastet werden? Stört schon die kleinste Berührung die Aura des Blattes?

Eine Zeitung ist nicht bloß bedrucktes Papier. Sie ist ein Lebewesen. Sie hat ein Gesicht, sie hat Liebhaber. Durch unverwechselbare Charakterzüge, durch Wiedererkennung wird dieses Gesicht ein befreundetes. Früher entstand Vertrauen, weil Käufer und Erzeuger einander nahestanden: Der Verbraucher kannte den Bauern, von dem er Kartoffeln kaufte. Er wußte oder ahnte, wie der Bauer anbaute. Heute übernimmt die Markengestalt diese Rolle. Wenn Dinge immer gleich aussehen, muß nicht jeder jedesmal aufs neue ihre Qualität prüfen. Deshalb ist auch das Layout eine vertrauensbildende Maßnahme.

Sollte also die ZEIT aussehen wie gehabt, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist und glaubt, seine Zeitung trotze dem Wandel der Zeiten? Welch süßer Selbstbetrug! In Wahrheit kommt gerade die beständigste Marke nie zur Ruhe.