Einige sehen es als Verzweiflungstat, andere als genialen Schachzug: Die Programmschmiede Netscape kündigte nun an, sie werde ihre Internet-Software fortan nicht nur kostenlos abgeben wie schon Konkurrent Microsoft, sondern auch den sogenannten Quellcode veröffentlichen, sozusagen die Innereien des Programms. Damit gibt Netscape sein Produkt vollkommen frei: Wer will, kann die Software künftig nach Belieben umschreiben, die neue Version mit dem eigenen Logo versehen und dann sogar weitervertreiben. Allerdings muß dabei immer der Quellcode kostenlos mitgeliefert werden - damit andere das Programm weiter verbessern können. "Copyleft" nennt sich das Konzept, im Gegensatz zu Copyright.

Mit diesem überraschenden Manöver hofft Netscape, Tausende von Programmierern zu kostenlosen Mitarbeitern zu machen - und damit Microsoft zurückzudrängen, das seine Netz-Software aggressiv in den Markt drückt. "Das gesamte Internet wird dadurch zu unserer Forschungs- und Entwicklungsabteilung", meint Marketingchef Mike Homer.

Das klingt nach Prinzip Hoffnung. Aber für den Ansatz gibt es erfolgreiche Vorbilder: Unzählige Programmierer entwickelten gemeinsam das Betriebssystem Linux, das als eines der technisch fortschrittlichsten der Softwarebranche gilt. Viele Experten meinen ohnehin, daß das herkömmliche Urheberrecht in der Softwareindustrie Innovationen behindere. ls