"Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Rot macht high."

Schreibt Rupprecht Geiger. Rot als vibrierendes Erlebnis aus warmen und kalten, hellen und tiefen Tönen ist die Farbe, mit der er wie kein anderer Maler identifiziert wird. Das typische Geiger-Rot ist ein rosarot leuchtender Signalton, eine künstliche Farbe, für die in der Natur kein Äquivalent zu finden ist, die ohne Gegenstand auskommt. Schon 1944, Geiger war als Kriegsmaler in Griechenland stationiert, notiert er: "Die Malerei kann nicht ohne Stellungnahme zu Radio- und Strahltechnik eigene Wege gehen. Sie muß mitgehen oder als romantische Übung untergehen." Rupprecht Geiger, 1908 in München geboren, gelernter Architekt, beginnt erst 1945, nach der Rückkehr aus dem Krieg, mit der Suche nach einer Malerei. Die Arbeitsmethode heißt Reduktion. Bereits 1948 gibt es von Geiger reine Farb-Form-Bilder, die die shaped canvasses eines Frank Stella um Jahre vorwegnehmen. Während aber Stella den Kunstmarkt erobert, läßt Geiger seine Bilder im Atelier des Vaters verstauben. Verkaufs- oder Karrierestrategien haben ihn nie besonders interessiert. Trotzdem findet Geiger, ein Künstler ohne Kompromisse, national und international Beachtung: 1948 wird er zum erstenmal nach Paris eingeladen, er nimmt 1959 an der documenta II teil, später an der II, IV und VI. Nur in seiner Heimatstadt wird er offiziell nicht wahrgenommen. An die Düsseldorfer Akademie wird Geiger berufen, aber nicht an die Münchner, und bekommt die erste Museumsausstellung in seiner Heimatstadt erst zum 70.

Geburtstag. Mit seiner Arbeit für einen U-Bahnhof ruft er in München endlosen Protest hervor. Farbe als Lichterscheinung und als energetische Kraft ist auch heute noch eine Herausforderung. Auch dazu kann man Rupprecht Geiger gratulieren, der am 26. Januar 90 Jahre alt wurde!