Warum räumt PKK-Chef Abdullah Öcalan in einem Zeitungsartikel ein, der Krieg der Kurden-Guerilla gegen den türkischen Staat sei verloren? Sicher nicht, um zu kapitulieren. Er spielt auf Zeit, um neue Kräfte zu sammeln, nachdem die türkische Armee zahlreiche Siege gegen die PKK errungen hat.

Überdies ist die Bevölkerung in Südost-Anatolien kriegsmüde. Sie fürchtet den Terror der PKK ebenso wie den Terror der Armee. Möglich, daß Öcalan seine Zukunft als Politiker sieht, vergleichbar Jassir Arafat. Doch egal, wie Öcalan taktiert: die Zukunft der Kurden liegt nicht in seinen Händen. In der Türkei ist die bloße Anerkennung der Kurdenfrage ein politisches Tabu. Die Regierung in Ankara und das hinter ihr stehende Militär sehen sich als Siegelbewahrer des türkischen Zentralstaates.

Jede Anerkennung von nationalen oder kulturellen Minderheiten bedroht nach Auffassung der herrschenden Staatsideologie die politische Einheit der Türkei. Pluralismus und Selbstbestimmung werden nur in Maßen gewährt: Im Kampf gegen die Kurden sind Regierung und Militär nicht weniger totalitär als die PKK. Abdullah Öcalans realistische Einschätzung, man könne den Krieg gegen Ankara nicht gewinnen, wird keine Friedensdividende ernten. Die Zeichen in Ankara stehen weiterhin auf Unterdrückung und Gewalt.