Das beherrschende Massenmedium Fernsehen hat auch einen neuen Typus des Schriftstellers hervorgebracht, den Fernsehschriftsteller. Damit meine ich nicht den Autor, der Texte für das Fernsehen produziert, wie man sie vor allem für Reportagen, Dokumentationen und Filmdrehbücher braucht, sondern einen Schriftsteller, der aus dem Fernsehen kommt, dort an besonders sichtbarer Stelle arbeitet und seine Bildschirmprominenz dafür nutzt, um Bücher zu schreiben.

Der normale Produktionsprozeß, bei dem der freie Autor am Anfang steht, der seine Erkenntnisse oder seine literarischen Beiträge in Buchform der Öffentlichkeit unterbreitet, die, wenn er Glück hat, auch für das Bildmedium Verwendung finden können, wird hier umgekehrt. Der Fernsehschriftsteller schreibt Bücher weniger aus eigenem Antrieb, sondern weil es ihm gelungen ist, nachhaltig auf dem Bildschirm präsent zu sein. Die Verlage, die seine Bücher drucken, sind primär an seiner Prominenz und seinem Image als Fernsehpersönlichkeit interessiert, weniger an dem, was er in seinem Buch zu sagen hat. Es wird ihm nahegelegt, ein Buch zu schreiben, weil seine Bildschirmwirkung eine Garantie dafür zu sein verspricht, daß er auch im Medium des geschriebenen Wortes reüssieren wird.

Noch immer hat - erfreulicherweise - das Buch eine höhere Weihe als ein bloßer Fernsehbericht oder eine Bildschirmmoderation, weshalb erfolgreiche Fernsehpersönlichkeiten immer der Versuchung ausgesetzt sind, ihre Teleprominenz auch auf dieses Gebiet auszudehnen. Sie können dadurch ihr Prestige weiter steigern und im Regelfall auch die Einnahmenseite ihrer beruflichen Existenz außerordentlich verbessern.

Es ist dieser aus Prestige und finanziellen Interessen (auf Verlags- wie auf Autorenseite) gewirkte Zusammenhang, der die Entstehung des neuen Typus eines Fernsehschriftstellers fast zwangsläufig geschaffen hat. Er ist längst mitten unter uns, präsent auf dem Bildschirm wie auf den Tischen der Buchhandlungen.

Freilich ist die Zahl derer, die via Fernsehen zu erfolgreichen Schriftstellern werden, ziemlich begrenzt, und zwar auf diejenigen, die im Fernsehen relativ häufig auftreten und dort gern gesehen sind.

Fernsehschriftsteller sind in allen wichtigen Sparten der politischen Bücher und des Sachbuches zu finden, aber es gibt auch einige, wie zum Beispiel Elke Heidenreich, die in der Belletristik erfolgreich sind. In der Regel schreiben sie über die Themen, die ihnen durch ihren Beruf vertraut sind: Peter Scholl-Latour berichtet von immer neuen Brennpunkten der Weltpolitik, Gerd Ruge über Rußland, Friedrich Schreiber über Israel, Ulrich Wickert, als er noch ARD-Korrespondent in Paris war, über Frankreich. Die schriftstellerische Aktivität der Fernsehkorrespondenten ist ein Ausfluß ihrer beruflichen Tätigkeit, und es besteht in den meisten Fällen ein berechtigtes öffentliches Interesse daran, mittels des gedruckten Wortes an den Eindrücken, Erfahrungen und Analysen dieser Autoren teilzuhaben, die via Bildschirm über das Land und andere Schauplätze des Weltgeschehens berichtet haben.

Das vertrauenerweckende Gesicht auf dem Umschlag gehört dazu