Die Bonner Staatsverschlanker sind wieder mal dabei ertappt worden, mit wie wenig Ernst sie die selbstgesteckten Ziele verfolgen. Die Kieler Staatskanzlei kam dem Bundesinnenminister Manfred Kanther bei der Modernisierung der Bundesstatistik auf die Schliche. 1993 ist zwischen Bund und Ländern im Rahmen des damals beschlossenen Solidarpaktes vereinbart worden, innerhalb von drei Jahren jährlich 50 Millionen Mark Statistikkosten einzusparen. Damit sollten Wirtschaft, Verwaltung und Bürger von überflüssigem Ballast befreit werden. Alle lehnten sich zufrieden zurück, hatten sie doch wieder mal ein Stück Staat in seltener Bund-Länder-Eintracht abgebaut. Kanther legte sich sogleich ins Zeug. Nach immerhin drei Jahren kam schließlich das 3.Statistikbereinigungsgesetz zur Welt. Die Kieler Ministerpräsidentin Heide Simonis traute ihren Augen nicht. Was Kanther zum Gesetz erheben wollte, war das Papier nicht wert, auf dem es stand. Simonis soll - so wird kolportiert - schallend gelacht haben. Rasch ließ sie sich ausrechnen, was aus dem anvisierten Sparvolumen geworden sei. Ganze 21 000 Mark würde Schleswig-Holstein einsparen, rechnete man ihr vor. Die 50 Millionen Mark, die Bund und Länder eigentlich abspecken wollten, waren auf runde 6 Millionen geschrumpft. Und die dürften bei den Vorarbeiten zu dem Gesetz aufgezehrt worden sein. Unter dem Strich ist sogar mit Mehrausgaben zu rechnen. In einem Vermerk für die Kieler Landeschefin heißt es: "Durch die Ausweitung des Statistik-Programms auf Bundes- und EU-Ebene ist erheblicher personeller Mehraufwand schon eingetreten." Obwohl Simonis und ihr schwäbischer Kollege Erwin Teufel erhebliche Änderungswünsche anmeldeten, setzte sich Kanther darüber hinweg. Nur um das Verfahren zur Statistikreduktion nicht noch weiter zu verzögern, ließ der Bundesrat die schmale Kost doch noch passieren, allerdings mit der eindringlichen Warnung, man werde neuen Statistikausgaben künftig nur zustimmen, wenn im Gegenzug "eine mindestens gleich große Kostenersparnis erzielt wird".