Vermögen für alle! Wer wollte dagegen sein. Doch so edel das Anliegen, so konfus ist die Debatte darüber, wie es zu verwirklichen ist. Was soll eigentlich erreicht werden: eine gleichmäßigere Vermögensverteilung, die stärkere Beteiligung der Arbeitnehmer am Produktivkapital mit dem Nebeneffekt leichterer Kapitalbeschaffung für Existenzgründer, mehr Unterstützung für die Häuslebauer oder eine bessere Altersvorsorge? Unter der Flagge der Vermögensbildung segeln allzu viele Vorschläge.

Die CDU-Arbeitnehmerschaft (CDA) und die FDP wollen die geltende Förderung ausbauen. Sie wollen den Höchstbetrag und die Einkommensgrenze anheben, außerdem die staatlichen Zulagen dazu - bislang zehn Prozent - zumindest für bestimmte Sparformen aufstocken. Da dieses Limit seit 1985 nicht erhöht und die Zulage für das Beteiligungssparen erst 1994 von zwanzig auf zehn Prozent gesenkt worden ist, riecht so ein großzügiges Paket zum jetzigen Zeitpunkt verdächtig nach Wahlgeschenk. Bundesfinanzminister Theo Waigel verweigert aber das nötige Geld - bis zu sechs Milliarden Mark - und verweist auf das geltende Haushaltsmoratorium. Deshalb ist kaum damit zu rechnen, daß die Koalition sich in der kommenden Woche auf eine umfassende Neuregelung einigen wird.

Niemand muß das bedauern. In Vermögensbeteiligungen sind nämlich nach einer Analyse aus dem Hause Waigel nur rund zehn Prozent der Fördermittel geflossen. Mit anderen Worten: Das Ziel einer breiteren Beteiligung am Produktivkapital ist glatt verfehlt worden, obwohl bis 1994 die höhere Förderung galt, die manche jetzt wieder einführen wollen.

Ob es klug ist, wie der DGB höhere staatliche Zulagen für neue Fonds zu fordern, die von den Tarifparteien verwaltet werden, muß bezweifelt werden.

Niemand kann gewährleisten, daß sie besser abschneiden als herkömmliche Fonds. Im Hinblick auf die Sicherheit könnten sie nicht an die betriebliche Altersversorgung heranreichen. Die aber wird zurückgenommen, weil sie den Arbeitgebern zu teuer wird.

Bevor Reformen angeschoben werden, die Milliarden kosten, sollten ihre Verfechter sich daher erst einmal über die Ziele und die geeigneten Instrumente klarwerden. Ein edler Zweck heiligt nicht immer die Mittel.