Uns Uwe will sie ebenso wie der Kaiser, ein polternder Wiesenwirt träumt von ihr, und ein feinnerviger Chefarzt baut gleichfalls darauf. Allesamt erstreben die Präsidenten von HSV und Bayern, von 1860 München und Werder Bremen eines: die Fußballaktie. Im Herbst wird der Deutsche Fußballbund wohl per Satzungsänderung die Spielwiese für eine Kicker-AG bereiten. Wenn nicht alles täuscht, schrillt an diesem Freitag der Anpfiff zur letzten Bundesliga-Rückrunde, die ohne Aktiengesellschaft auskommen muß.

Rekordmeister Bayern München beispielsweise plant schon bis Mitte 1999 seinen Börsengang. Der erhoffte Erlös von 600 Millionen Mark soll dann in ein neues Stadion und in die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Mannschaft investiert werden.

Ob deutsche Fußballaktien ein lohnendes Investment sein werden, ist allerdings fraglich, wie ein Blick über den Ärmelkanal beweist. In Großbritannien sei anfangs einfach alles gekauft worden, berichtet Roswitha Dröber von der Bayerischen Landesbank und Autorin einer Investmentstudie über englische Fußballclubs. Kein Wunder, daß sich bei diesem Massenansturm einige Kurse verzehnfacht hätten.

Doch schon 1997 war die anfängliche Euphorie verflogen, nachdem die Erwartungen über künftige TV-Einnahmen drastisch gesunken waren. Inzwischen ist der Football Club Index der Londoner Investmentbank Nomura Inc. - in diesem Börsenbarometer sind fast alle britischen Soccer-Aktien zusammengefaßt - weit von seinem früheren Höchststand entfernt: Hatte der Index bereits im Januar 1997 erstmals die Marke von 800 Punkten übersprungen, so sind es trotz Aktienhausse heute kaum mehr als 500 Zähler. England, das Mutterland aller Kicker, ist das Vaterland des Fußballkapitalismus: Die Tottenham Hotspurs, seit Dezember wieder Arbeitgeber von Europameister Jürgen Klinsmann, waren schon im Oktober 1983 als erste auf dem Börsenzettel erschienen. Es dauerte fast ein Jahrzehnt, bis sich der nächste Verein traute - Manchester United (ManU). Die inzwischen kapitalstärkste Fußballfirma auf dem Globus wird auch an der Berliner Börse gehandelt.

Das Privatfernsehen hatte das profitable Fußballfieber einst entzündet, um neue Programme durchzusetzen. Die massive Fernsehpräsenz bescherte neue Werbekunden und einen taufrischen Geschäftszweig: den Verkauf von Fanartikeln, inzwischen nur noch Merchandisinggenannt. Eine Millionenkundschaft polierte die Bilanzen auf: Manchester United erzielt hiermit mehr als dreißig Prozent seines Umsatzes. Künftig sollen ManU-Stores in ganz Britannien florieren und ein eigener Pay-TV-Kanal füttert nimmersatte Fußballfans mit den Spielen der Reservemannschaft. Dennoch, selbst diese Edelaktie notiert rund zehn Prozent unter ihrem Vorjahreshoch.

Das Primat der Ökonomie hat weitreichende Folgen: Nach einer schweren Knöchelverletzung von Nationalstürmer Alan Shearer verloren Newcastle-Aktien innerhalb von Minuten über sieben Prozent ihres Wertes. Schlimmer noch, der FC Millwall entging knapp der Pleite, und die Kurse der Nachzüglervereine, die sich seit 1995 an die Börse spielten, liegen oft unterhalb des Ausgabewertes. Derweil feiern Nichtaktiengesellschaften wie Liverpool und Arsenal Erfolge - wirtschaftlich und sportlich. Zwiespältige Erfahrungen sammelten auch kontinentale Vereine: Die Börsianer in Zürich zeigen sich ähnlich desinteressiert wie potentielle Stadionbesucher: Der Grasshopper-Kurs ruht nahe dem Ausgabekurs.

Solche Eigentore wollen die Banker von Dresdner Kleinwort Benson verhindern: Nur aus Jux und Tollerei an die Börse zu gehen bringe es nicht, sagt Direktor Hermann J. Weber. Für den nachhaltigen Erfolg dieser Entertainmentaktien bedürfe es eines professionellen Managements und eines klaren Markenprofils - beides in der Bundesliga eher selten.