Dornbuschsavanne, vierzig Grad Hitze, Staubstürme - nicht gerade die besten Bedingungen für Ackerbau. Wissenschaftlern aus Kenia, Israel und von der Universität Bayreuth ist es dennoch gelungen, auf dem stickstoffarmen Boden in Nordkenia ohne künstliche Bewässerung Hirse und Akazienbäumen anzupflanzen. Das Getreide konnten sie sogar zweimal im Jahr ernten.

Das Ziel des mit deutscher Entwicklungshilfe geförderten Projektes war es, den Turkana Ackerbau zu ermöglichen. Diese Nomaden, die ursprünglich mit Ziegen, Schafen und Eseln durch die Savanne zogen, ernähren sich traditionellerweise - wie die Massai - von einem nahrhaften Gemisch aus Milch und Blut, das sie ihren Kamelen abzapfen. Doch immer mehr Turkana finden ein Lehmhaus, ein Radio oder eine Taschenlampe attraktiv. Sie wollen nicht mehr ausschließlich von der Wanderviehhaltung leben und werden seßhaft. Der Verkauf von Hirse wird für die Turkana zur wichtigsten Einnahmequelle.

Doch eine künstliche Bewässerung schien den Wissenschaftlern zu teuer.

Überdies befürchteten sie, der Boden könne dadurch versalzen. Auf ihrer Versuchsfarm bei Kakuma - einem Marktflecken mit rund 1000 Einwohnern und einem UN-Flüchtlingscamp mit 40 000 Menschen aus dem Sudan, Ruanda, Äthiopien und anderen Ländern - machten sie sich daher eine uralte Methode zunutze: Sie sammelten Regenwasser. In der Savanne regnet es pro Jahr nur 300 Millimeter (zum Vergleich: in München oder Hamburg sind es 800 Millimeter), doch diese geringen Niederschläge fallen wolkenbruchartig. Das von den Hügeln herabschießende Wasser kanalisierten die Forscher zwischen Erdwällen und leiteten es auf Felder, die sie knapp einen halben Meter tiefer gelegt hatten. Mit dem Aushub befestigten sie Dämme, die den Abfluß des Wassers verlangsamen. Es versickert so erst nach ein bis zwei Wochen. Im Boden bildet sich dank wasserspeichernder Lehmschichten ein natürliches Reservoir. "Dieses Bewässerungssystem ist verblüffend einfach", schwärmt Johannes Lehmann, Bodenkundler an der Universität Bayreuth, der drei Jahre lang auf der Farm gearbeitet hat. "Und es kostet fast nichts, außer Arbeit."

Regenwassersammeln hat Tradition. Schon vor dreitausend Jahren brachten etwa die Nabatäer, ein arabischer Volksstamm, die steinige Negevwüste zum Blühen, die heute zu Israel gehört. Sie ernteten dank einfacher Mäuerchen, deren Verlauf genau ausgetüftelt war, Getreide, Obst und Gemüse, sogar Wein und Pistazien. Mit dem Ende der byzantinischen Herrschaft, etwa 700 nach Christus, verödeten die Siedlungen. Die Felder lagen für mehr als 1300 Jahre brach. In den fünfziger Jahren stießen israelische Forscher auf die Überreste des antiken Bewässerungssystems und rekonstruierten es. Auf mehreren Farmen erprobten sie den Anbau und staunten über hohe Erträge.

Auf der kenianischen Versuchsfarm wachsen neben Hirse und Akazien auch Bohnen. Da die drei Pflanzen verschieden tief wurzeln, nutzen sie zusammen Nährstoffe und Wasser effektiver als Monokulturen. Die Sträucher bieten Windschutz und beschatten den Boden. Dadurch verdunstet das Wasser nicht so schnell. Die Wurzeln von Bohnen und Akazien düngen auf natürliche Art, denn die Hülsenfrüchte binden in Symbiose mit Bakterien Stickstoff. Die schnellwüchsigen Akazien liefern Brenn- und Bauholz, und ihre Schalen werden an Schafe und Ziegen verfüttert.

Von Anfang an haben die Wissenschaftler den Kontakt zur Bevölkerung gesucht.