Am Gemüsestand beim Castelvecchio haben sie mich erwischt. Ich hatte vier Kartoffeln gekauft, die Tüte unter den Arm geklemmt, war davongegangen, vielleicht fünfzig Schritte weit gekommen, als sich von hinten eine Hand auf meine Schulter legte. Signore! rief jemand, dann blickte ich in einen Dienstausweis. "Guardia di Finanza." Ein junger Mann von der italienischen Finanzpolizei in Zivil.

Ich war sofort im Bilde. Wie oft schon war mir mein Friseur hinterhergelaufen, mit der Rechnung in der Hand, die ich um Gottes willen mit mir führen solle, wenn darin auch nur die Hälfte des Preises für meine Schur ausgewiesen war. Und hatte nicht gestern noch im InterCity von Mailand die Lautsprecherdurchsage darauf aufmerksam gemacht, die Rechnung vom Getränkeservice bis zum Ende der Reise sorgsam aufzubewahren?

Normalerweise zerknülle ich den Kassenbon und katapultiere ihn augenblicklich mit Daumen und Zeigefinger davon: Nach dem Espresso in der Bar, nach dem Empfang der Wäsche in der Reinigung, nach der Pinkelpause im städtischen Pissoir inklusive Händewaschen. Hundert Meter weit, so das Gesetz, muß der scontrino, der Kassenzettel, mitgeführt werden.

In flagranti ertappt, kehrte ich in Begleitung des Finanzpolizisten zum Gemüsehändler, einem Eritreer, zurück, den schon ein zweiter Kollege der Guardia in der Mangel hatte. Beide, Verkäufer und Kunde, kramten einen Augenblick lang pro forma in ihren Hosentaschen - ja, wo ist er denn nur, der Kassenbeleg?

Den Beweis gegen uns entnahmen die Beamten der Registrierkassenrolle.

Die tausend Lire für meine vier Kartoffeln waren nicht eingetippt.

Steuerhinterziehung also. Zwanzig Prozent Mehrwertsteuer hatte der Gemüsehändler dem Fiskus vorenthalten. Umgerechnet zwanzig Pfennig von den Einnahmen für meine vier Kartoffeln.