Um sieben Uhr am Morgen ist der Kanallotse an Bord gekommen, Aureliano Alvárez, ein Panamaer. Er führt nun das Kommando. Lässig sitzt er auf hohem Stuhl am Fenster der Brücke und gibt seine Befehle. Die Schiffsleute haben sie laut und deutlich zu bestätigen. "Volle Kraft voraus!" ordnet er an.

"Volle Kraft voraus, Sir", antwortet der Erste Maat. Das Schiff mit dem wenig romantischen Namen Co-op Venture erzittert, als es jetzt aus der letzten der drei Staustufen der Gatún-Schleuse hinausfährt. Die Co-op Venture - japanische Eigentümer, panamaische Flagge, philippinische Mannschaft - gehört zur Panamax-Klasse. Sie ist so groß, daß sie gerade noch in die Schleuse paßt. Wenn sie da liegt, ist links und rechts nicht viel mehr Platz als auf einer aufgeschlagenen Doppelseite dieser Zeitung.

In knapp zwei Jahren, am 31. Dezember 1999, zwölf Uhr mittags, werden die Vereinigten Staaten den Kanal an Panama übergeben. Das hat im September 1977 der sanftmütige Jimmy Carter mit dem damaligen panamaischen Herrscher, General Omar Torrijos, vereinbart. In Washington war der Widerstand gegen die Übergabe so erbittert, daß es darüber zu der zweitlängsten Debatte im Senat kam - die längste fand statt, als die Senatoren der Südstaaten versuchten, die Gleichberechtigung der Schwarzen zu verhindern. Schließlich fällt der Kanal an ein Land, das die Gringos unter dem rauhbeinigen Theodore Roosevelt einst mit Hilfe einiger Desperados und eines ehrgeizigen Franzosen einzig und allein geschaffen hatten, um sich selber als Weltmacht zu etablieren.

Es war die Zeit der Kanonenbootdiplomatie, und Roosevelt plagten keine Zweifel an der Rolle Amerikas. Panama war damals eine Provinz Kolumbiens, und als Kolumbien sich nicht sofort bereit zeigte, den Amerikanern eine Kanalzone in dieser Provinz gegen einmalige Zahlung von 10 Millionen Dollar in Gold und eine Jahrespacht von 250 000 Dollar abzutreten, schwang "Teddy" Roosevelt den Knüppel.

Die Kanonenboote Dixie, Atlanta, Maine, Mayflower und Prairie gingen an der Atlantikseite des Isthmus von Panama vor Anker, die Boston, Marblehead, Concord und Wyoming an der Pazifikseite. Das genügte, die panamaischen Aufständischen, die allenfalls 500 Mann hätten aufbieten können, vor den Herren in Bogotá zu schützen. Kolumbien hätte wohl eine größere Streitmacht in seine nördlichste Provinz entsenden können. Aber nicht durch den dichten Urwald des Darién, sondern nur auf dem Seeweg, den die US-Armada blockierte.

Heute ist der Panamakanal die wichtigste Wasserstraße der Welt. Gut 13 000 Schiffe passieren ihn jedes Jahr. Auch schnelle Schiffe würden dreißig Tage länger brauchen, müßten sie Südamerika umfahren. Panamas Gründerväter hatten freilich mit der Unabhängigkeit gleich die Macht über ihren Staat abgeben müssen.

Den panamaisch-amerikanischen Vertrag über die Kanalzone formulierte ein Franzose, der Ingenieur Philippe Bunau-Varilla. Der war schon dabeigewesen, als die Franzosen noch vor den Amerikanern versuchten, zwischen Atlantik und Pazifik einen Kanal zu graben, und wollte, außer dem Ruhm, das Geld zurück, das er in das gescheiterte Unternehmen gesteckt hatte. Den zur Sezession bereiten Panamaern zwang er sich als Generalbevollmächtigter auf, der amerikanischen Regierung gegenüber gab er sich als Sonderbotschafter Panamas aus, eines Staates, der noch gar nicht existierte. Sein Kalkül - die Amerikaner würden den Franzosen die hinterlassenen Gerätschaften abkaufen, er, Bunau-Varilla, könnte seine ursprüngliche Investition retten - ging schließlich auf.