die zeit: Herr Kommissar, in Deutschland heißt es: Brüssel spielt verrückt. Die Medienkonzerne Kirch und Bertelsmann haben sich für ihr Pay TV auf einen Decoder geeinigt. Die Unternehmen behaupten, sie wollten es so nur ihren Zuschauern leichtmachen - Sie hingegen drohen, das Geschäft zu verbieten.

Karel van Miert: Ich wünschte, es gäbe längst einen gemeinsamen Decoder. Das regen wir seit Jahren an, nur leider vergeblich. Die Fernsehzuschauer wollen sich ja nicht zwei oder drei Decoder kaufen. Und andere Länder beweisen durchaus, daß dies möglich ist.

zeit: Sie haben also nichts gegen Absprachen über die Decoder-Technik?

van Miert: Nein, ich verlange nur, daß alle Programmanbieter diese Technik nutzen dürfen. Wir brauchen ein offenes System, und genau das muß ich im Fall Kirch/Bertelsmann jetzt überprüfen. Denn es gibt Beschwerden anderer Anbieter. Die fürchten alle, sie würden durch ein Monopol vom Markt ausgeschlossen.

zeit: In diesem Streit geht es fast ausschließlich um den deutschen TV-Markt.

Wieso lassen Sie nicht das Bundeskartellamt entscheiden?

van Miert: Der Fall beschränkt sich nicht auf Deutschland, es geht auch um Österreich und