Endlich ist Bremen wichtig. Kommende Woche beschließt der Bundesrat über den großen Lauschangriff: Auf Bürgermeister Henning Scherf ruhen dabei alle Hoffnungen, daß Privatwohnungen auch künftig wanzenfrei bleiben.

Wie gelobte dieser Chef einer großen Koalition vor einem Vierteljahr noch mutig: Ohne Wenn und Aber bleibe er bei seinem Widerstand gegen den Gesetzentwurf. Im Kampf gegen das organisierte Verbrechen dürfe man die Verfassung nicht einreißen. Das Zeugnisverweigerungsrecht wichtiger Berufsgruppen werde nicht hinreichend geschützt.

Keiner seiner Einwände hat sich erledigt, denn das neue Gesetz schafft zwei Klassen von Vertrauenspersonen. In der abgeschirmten ersten Klasse sitzen Pfarrer, Strafverteidiger und Abgeordnete. Bei ihnen darf zu Zwecken der Strafverfolgung nicht gelauscht werden. Im zugigen, nach allen Seiten offenen Abteil hocken hingegen die Ärzte, die Schwangerschafts- und Drogenberater, die Journalisten, die Wald- und Wiesenanwälte: Wer soll sich ihnen noch anvertrauen, wenn der Staat mithören darf?

Bremen als Retter der Verfassung. Was könnte sich das kleinste Bundesland sehnlicher wünschen, um seine Größe zu beweisen. Nur Mut, ihr Hanseaten!