Der kürzeste und heftigste kick in town ist der Sprung mit dem Gummi. Von der sogenannten Pipeline geht es mit einem Urschrei in die Tiefe des Skippers Canyon, nach 102 Metern titschen die Haare auf dem Wasser auf, dann reißt das Seil den schlackernden Körper an den Füßen wieder hoch. Am Kawarau River ist der freie Fall nur 43 Meter lang. Aber die Kawarau Bridge ist das Original.

Dort hat Alan John Hackett 1988 die erste Sprungstation der Welt eröffnet.

Die Idee zum bungee jumping hat der Neuseeländer A. J. Hackett von den polynesischen Inseln herübergebracht. Dort stürzen sich die Jungen von einem Bambusgerüst, gesichert nur durch eine Lianenschlinge am Fußgelenk. Wer sich traut, darf sich fortan zu den Männern zählen. Hacketts Kunden erhalten ein Zertifikat, das ihnen bescheinigt, "eine Ahnung von der Wirklichkeit und der Verantwortlichkeit gegenüber dem Leben" bekommen zu haben.

Auch Hacketts Büro liegt in der Shotover Street. Videoclips zeigen Muffensausen, Kreischen, strahlende Gesichter am laufenden Band. An den Wänden hängen Photos von nackten Männern in Siegerposen - Erinnerungen an eine Aktion, die Hackett schnell wieder abgeblasen hat: Wer nackt springen wollte, brauchte nicht zu bezahlen. Aber die Nachfrage war zu groß. Heute bekommt nur noch einen Freisprung, wer älter als sechzig ist.

Die 23jährige Liz hat sich dazu durchgerungen, 85 Dollar für den Sprung hinzulegen. Die Bostonerin pustet eine rote Locke aus der sommersprossigen Stirn. Jetzt muß sie es tun! Denn ihre Höhenangst gilt nicht als Entschuldigung, sie ist die Herausforderung. Eigentlich wollte Liz sich den Platz für ihre Therapie erst anschauen, aber das geht nur mit dem Jeep und ist nicht umsonst. Dann besser gleich aufs Ganze. Und auch noch das Video - macht dreißig Dollar extra. Als nächstes geht die Amerikanerin wandern.

"Dabei kann ich wenigstens kein Geld ausgeben", sagt sie und lacht.

Wer nach dem bungee jump nicht den Absprung aus Queenstown schafft, dessen Finanzen befinden sich bald im freien Fall. Es gibt keine Sehenswürdigkeiten oder Museen, nur die beiden Einkaufsstraßen in der Stadt die Berge strahlen jeden Tag dieselbe stoische Ruhe aus, und im Wakatipu schläft der Legende nach ein Riese.