Am Anfang war der Protest. Die Bahn AG stand lange Zeit wegen ihrer alten Dieselloks der Baureihe 218 am Pranger. Anwohner beschwerten sich über Abgase und Rußpartikel, Bahnreisende reklamierten, Schadstoffe würden über die Klimaanlage oder offene Fenster ins Waggoninnere geweht. Vor allem Zugbegleiter klagten über gesundheitliche Beeinträchtigungen, und sogar der Bayerische Landtag mußte sich damit befassen. Auf Druck der Grünen und der FDP sowie einiger kommunaler Mandatsträger, vor allem im Allgäu, reagierte die Bahn. Beim Friedrichshafener Motorenhersteller MTU aus dem Daimler-Benz-Konzern wurden aufwendige Studien in Auftrag gegeben.

Herausgekommen ist ein Umrüstsatz, der in 225 Exemplare der 218er Reihe eingebaut wird. Weitere 175 Lokomotiven des gleichen Typs sind mit einem älteren Motor ausgestattet, der nicht umrüstbar ist.

Der Erfolg der Modernisierung ist beachtlich: ein um 63 Prozent verringerter Kohlenmonoxidausstoß, 84 Prozent weniger unverbrannte Kohlenwasserstoffe und 86 Prozent weniger Ruß. Ein kleiner Wermutstropfen sind die Stickoxidemissionen, die durch die bessere Verbrennung etwas ansteigen. Im Sommer 1996 präsentierte die Bahn im Allgäu die ersten umgebauten Loks, und nun entpuppen sie sich nicht nur als ökologischer, sondern auch ökonomischer Erfolg. Für die MTU bedeutet dies ein Auftragsvolumen von rund 25 Millionen Mark 153 Umrüstsätze sind bislang fest bestellt, geliefert 87. Im Bahnbetriebswerk Bremen werden die Umbauten im Zuge von Routineinspektionen vorgenommen. Die Kosten von etwas mehr als 100 000 Mark pro Lok - und nicht, wie zunächst von der Bahn prognostiziert, einer Million Mark - werden durch die Einbeziehung in sowieso erforderliche Wartungsarbeiten sogar noch deutlich gesenkt. Denn einige Teile des Umrüstsatzes müßten ohnehin ausgewechselt werden. Aber es kommt noch besser.

Quasi als Nebeneffekt, "eine Art Bonus", meint MTU-Kundendienstleiter Stefan Strauss, hat sich eine in diesem Maße nicht erwartete Kraftstoffeinsparung ergeben. "Diese liegt in der Größenordnung von etwa acht Prozent. Die Bahn spart durch die zunächst ungeliebte Umrüstung deshalb schon viel Geld. Eine Diesellok dieses Typs verbraucht im Schnitt drei Liter pro Kilometer. Bei jährlicher Kilometerleistung von 150 000 Kilometern ergibt das pro Lokomotive einen Spritverbrauch von 450 000 Litern Dieselkraftstoff. Ein um acht Prozent gesenkter Verbrauch spart pro Lok 36 000 Liter, mithin etwa 40 000 Mark pro Lok und Jahr. Sobald alle 225 umbaufähigen Lokomotiven umgerüstet sind, beträgt die jährliche Einsparung schon knapp 9 Millionen Mark. Die Restlaufzeit einer solchen Lokomotive setzt die Bahn mit zwanzig Jahren an.

Bei 225 Lokomotiven können so in dieser Zeit 180 Millionen Mark eingespart werden.

Bei der Bahn AG in München ist man deshalb zufrieden mit der Umrüstaktion.

Vergessen sind die Zeiten, als man die Kritiker eher als Jobkiller betrachtete, die der Bahn schaden würden. "In etwa drei Jahren hat sich die Umrüstung amortisiert", sagt Bahn-Sprecher Horst Staimer.