(...)

Die Europäer haben sich in zwei Jahrtausenden daran gewöhnt, daß Sex zu den Privilegien der Macht (und des Geldes) gehört. In den Vereinigten Staaten, die ein Geschöpf Europas sind, verhält es sich nicht anders.

(...)

... als trachte die kollektive Seele Amerikas danach, ihre Sünden im reinigenden und rettenden Feuer einer überbordenden Moralität auszubrennen: einer Moralität, die sich partiell von ihrem religiösen Ursprung gelöst hat. Die Mechanismen des Autodafés änderten sich damit nicht.

(...)

Der Egalitarismus Amerikas ist puritanischen Ursprungs. Wenn er aus den Tiefen des Hungers nach Sühne und Reue ans Licht steigt, ist es um die Toleranz, die Freiheitsliebe, den Respekt vor der Unabhängigkeit und dem Recht auf die Unversehrbarkeit der privaten Existenz - diese kostbaren Tugenden Amerikas - für eine Weile geschehen.

Unterdessen hat sich, zu allem Unglück, der egalitäre Puritanismus mit der Political Correctness verbündet: dem radikalen Feminismus und den Ressentiments der Minoritäten zur Linken, der bigotten Borniertheit der moral majority und der konservativen Schwarmgeister vom Schlage Gingrichs zur Rechten - eine fatale Allianz, gegen die kein Kraut gewachsen ist, zumal den Moralisten jenseits der Religionen das humanste Element des Christentums mangelt: die Bereitschaft zur Vergebung.