An Caspar Neher

Berlin, 15. Dezember 1953

Lieber Cas,

ich habe nun das Papier, das heißt die Urkunde, aber bevor ich einen Paß haben kann, brauche ich noch Geburtsschein usw., kann also nicht kommen, Dich zu holen. Das ist schade; auf die Weise kommen wir halt so gar nicht zum Zusammenarbeiten an was Längerem. - Die Ensemblesituation sieht jetzt so aus: ich möchte mit dem "Galilei" etwa am 10. Oktober anfangen (Galilei Steckel). Und ich schlage vor, daß wir es wieder zusammen machen, das ist einfach besser. Die Premiere könnte am 1. Dezember sein, das wäre allerdings das früheste. Viel später könnte sie allerdings nicht sein, dann ist Viertel da mit der Giehse. (Und nach dem 1. Dezember, oder sagen wir, sicherheitshalber, nach dem 10. Dezember verlegen? Und vergiß nicht ganz den "Lukullus" an der Staatsoper, das hast Du selber gemanaged (und Legal hat auch auf Deinen Rat den Dirigenten aus Göttingen engagiert); ich bin sicher, daß Legal mit Dir keinen Vertrag besprochen hat, sie verlassen sich einfach darauf, daß es schon gehen wird. - Wagner-Régeny wird Dir geschrieben haben, daß Felsenstein den "Darmwäscher" machen will. Das ist erfreulich; mir gefällt diese Oper besonders. Bitte, entschuldige mich bei Gottfried, es ist so schwer, am "Totentanz" zu arbeiten ohne zumindest einige Gespräche mit Dir. Und in der Paßfrage kann ich nicht mehr tun, die Augsburger beeilen sich nicht mit der Zuschickung des Geburtsscheins. (Auch mußte ich den Steyr überholen lassen, das brauchte fünf Wochen!) Wann kommst Du? Wie geht es Dir? (Hoffentlich mußt Du in der nächsten Saison nicht so viel reisen.)

Herzlichst Dein alter b

An Ruth Berlau, Berlin

Datierung von Ruth Berlau: 11. März 1951

Liebe Ruth,

ich schreibe, weil ich ja heut nicht vorbeikommen kann. Iß richtig und vielleicht arbeitest Du ein wenig. Damit Du Montag die kleine Reise vorbereiten kannst, obwohl da nicht viel nötig ist, Du wirst ja nicht lang bleiben, denke ich. Ich komme morgen früh für einen Sprung vorbei.

b

Denn was auch sonst sein mag, die Stirn muß glatt sein.

An die Hauptverwaltung der Deutschen Grenzpolizei

(Ministerium für Staatssicherheit) Berlin,

Berlin, den 10. September 1952

Werte Genossen,

ich hab ein Haus in Buckow, wohin ich mich für schriftstellerische Arbeiten zurückziehe, und muß ziemlich häufig nach Berlin herein. Ich passiere dabei den Kontrollpunkt Hoppegarten. Schon seit einiger Zeit bekümmerte mich der grobe Ton der Polizei, der dort herrscht. Vorgestern, am 8. 9. 52, 13 Uhr 25 auf der Fahrt nach Berlin kontrollierte eine Angestellte des Amts für Warenkontrolle meine Schreibmaschine, für die ich eine laufende Sondergenehmigung habe, und da sie nicht gleich die Nummer fand, zog sie einen Kollegen zu Rat. Als ich dagegen protestierte, daß man den Wagen der Maschine abnahm, mischte sich ein Volkspolizist, Dienstausweis Nr. 4123, ein, obwohl ich ihm meine Papiere, darunter meinen Ausweis als Nationalpreisträger I. Klasse, gezeigt hatte, wies mich grob zurecht, indem er mich ständig "junger Mann" titulierte. Meine Mitarbeiterin Ruth Berlau, Leiterin des Archivs des Berliner Ensembles, verwies ihm seinen frechen Ton, worauf er uns die Papiere (Personalausweis und Wagenpapiere) abnahm und damit wegging. Als nach zehn Minuten meine Assistentin, Käthe Rülicke, fragte, wie lange ich noch zu warten hätte (ich hatte eine Sitzung in der Akademie der Künste), gab er zur Antwort: "Sie haben in Ihrem Wagen zu warten, bis Sie abgeholt werden." Nach etwa zehn Minuten kam ein Vorgesetzter, der sich den Vorgang erzählen ließ und uns dann die Papiere in durchaus höflicher Weise zurückgab. Der Vorfall nahm 45 Minuten in Anspruch.

Am Tage vorher hatte mich der Komponist Paul Dessau besucht, der übrigens herzleidend ist; zitternd vor Zorn, kam er in Buckow an, weil er an derselben Stelle (Sonntag, den 7. 9. 52, 13 Uhr 10) ebenfalls grob behandelt wurde, als er auf den Befehl, seine Scheinwerfer abzumontieren, sagte, er kenne sich in technischen Dingen nicht aus und man möchte ihm helfen.

Verstehen Sie mich recht: Ich bin ganz überzeugt von der Notwendigkeit der Kontrolle, worüber ich mich beschwere, ist der herrische befehlshaberische und rüde Ton, in dem ich an dieser Stelle auch schon einmal denselben jungen Polizisten mit einem Arbeiter sprechen hörte, der seine schmutzige Wäsche zum Waschen nach Berlin zurückbrachte und nicht gewußt hatte, daß er dafür eine Bescheinigung brauchte. Auch der Vorgesetzte, der in meiner Angelegenheit eingriff, schien meine Kritik übel zu vermerken und sagte mir, ich solle jedes Wort überlegen, wenn ich die Polizei kritisiere.

Ich bitte Sie, den jungen Menschen, die dort Dienst tun, einzuschärfen, daß sie das in der Sache fest und zugleich in einem menschlichen Ton tun.

Bitte teilen Sie mir auch mit, was Sie in dieser Angelegenheit tun können.

Mit sozialistischem Gruß

An Hermann Henselmann

Berlin, 15. Dezember 1953

Lieber H., Baumeister,

das Haus Schumannstraße 14b steht unter Denkmalschutz. Das Berliner Ensemble hat eine in diesem Haus neu ausgebaute Wohnung für ein Mitglied erhalten. Aber der Herr Koepsel von der BVM Mitte sagt, er könne aus sozialen Gründen kein WC für eine Einzelperson einbauen, da die andern Bewohner im Treppenhaus ihre Notdurft verrichten. Nun könnt ihr ja nicht verhindern, daß Spatzen oder Leute auf Denkmäler scheißen. Aber die Klosettlosigkeit braucht in denkwürdigen Gebäuden doch nicht geschützt zu werden. Kurz, als Gegenleistung für gewisse Verse über besseres Leben, die Du gelegentlich in Deine Häuser einmeißelst, erbitte ich ein WC in Schumannstraße 14b.

Herzlich Dein

brecht

An Karl Maron

(Ministerium des Innern)

Berlin, den 17. Oktober 1955

Werter Genosse Maron,

ich möchte nochmals einen Sonderausweis beantragen, auf Grund dessen ich den Kontrollpunkt Dahlewitz-Hoppegarten frei passieren kann. Seinerzeit habe ich meinen Nationalpreis dazu verwendet, mir in einem Gärtnerhaus in Buckow ein Arbeitszimmer usw. einbauen zu lassen, wo ich bisher meinen Urlaub verbringe. Natürlich muß ich im Sommer immerfort zurück nach Berlin in Angelegenheiten der Akademie der Künste und des Theaters. Nun ist seit einem Jahr der Ton der Volkspolizei am Kontrollpunkt derartig deprimierend geworden, daß mir diese Urlaube schon völlig verleidet sind. Ich brauche aber Erholung. Bitte, verhelfen Sie mir doch zu einem Papier, das mich von Diskussionen mit Volkspolizei befreit.

Mit bestem Dank und sozialistischem Gruß.

(Bertolt Brecht)

An Hackemesser

(Ministerium für Kultur, Abteilung Investition und Planung)

Berlin, den 26.3.1956

Werte Genossin Hackemesser,

darf ich Ihnen dafür danken, daß Sie unser Ansuchen um Kupfer für die Dekoration des Stückes "Leben des Galilei" unterstützt haben. Wir wissen, wie wertvoll und rar Buntmetalle sind, und selbst wenn das Metall nur für eine gewisse Zeit, während das Stück läuft, benutzt wird, so wird es doch auch für diese Zeit anderen für vielleicht wichtige Zwecke vorenthalten. Wir selbst haben uns nur im Hinblick auf unsere internationalen Gastspiele entschlossen, um dieses Material zu ersuchen. Wir betrachten Ihre Hilfe als einen Beweis des Kunstverständnisses unserer Behörden.

Noch einmal Dank!

An den VEB Radeberg

Exportbierbrauerei, Berlin, 5. April 1956

Sehr geehrte Herren,

ich bin Bayer und gewohnt, zum Essen Bier zu trinken. Nun ist das Bier in der Deutschen Demokratischen Republik im Augenblick wirklich nicht mehr gut außer Ihrem Radeberger Pilsner (Export). Können Sie mir vielleicht ausnahmsweise eine Zeitlang im Monat zwei Kästen über VLK Getränke, Abteilung Import und Spezialbiere, Berlin N 4, Brunnenstr. 188, liefern.

Mit bestem Dank

(Bertolt Brecht)

Die hier abgedruckten Brecht-Briefe entstammen sämtlich dem Band 30 der Großen kommentierten Berliner und Frankfurter Ausgabe der Werke Bertolt Brechts. Die Bände 28-30 (Briefe 1-3) werden Anfang Februar im Suhrkamp Verlag erscheinen - als Abschluß der Großen Brecht-Ausgabe.