Computer machen dick, Computer helfen beim Abnehmen. Sie können Weltraumstationen und Mikrowellenherde steuern, Sprache aufzeichnen und Romane vorlesen. Nur eines können sie einfach nicht: die Produktivität in einem Unternehmen erhöhen. Das sei einfach Voodoo, meint der Unternehmensberater Paul A. Strassmann. Er bekämpft seit Jahren den Aberglauben, daß erhöhte Ausgaben für Informationstechnik den Unternehmen Kostenvorteile, gar echte Gewinne einbringen würden. Mit seinen Büchern zur Computerverschwendung (zuletzt "The Squandered Computer") gehört Strassmann zu einer wachsenden Gruppe von Kritikern, die den wirtschaftlichen Nutzen von Computern anzweifeln.

Von seinen Gegnern wird Strassmann nicht sonderlich ernst genommen: Die führen als Gegenbeweis immer das technologische Kambrium an, in dem man noch auf Schreibmaschinen, mechanische Rechenwerke und Karteikarten angewiesen war. Das ist so, als würde man Kritikern der Lkw-Flut vorhalten, wie beschwerlich doch der Transport mit Pferdewagen und Sackkarren ist. Dabei ist Strassmann kein Maschinenstürmer und in der Branche kein Unbekannter: Er leitete jahrelang die Abteilung Informationstechnik bei Xerox und war danach beim amerikanischen Verteidigungsministerium für die Computertechnik verantwortlich. Er ist ein Computerfreund, der nur fehlerhafte Rechnungen nicht ausstehen kann. Auch das Jahr-2000-Problem ist für ihn solch ein Fall "betriebsblinder Rechnerei": Da ist von Dollarmilliarden die Rede, die man damit verdienen könne, alte Computerprogramme zu sanieren. Daß die Gesamtkosten innerhalb der Branche bleiben und den Produktivitätsfaktor gründlich ruinieren, wird bei solchen Rechnungen nicht berücksichtigt.

Nun hat sich Strassmann einen weiteren Trend vorgeknöpft: die angebliche Verschlankung von Unternehmen durch computerisierte Teamarbeit und Teamsoftware. Auch die gehöre in den Bereich der Fabel. Beweisen will er seine Thesen am Beispiel der amerikanischen Versicherungswirtschaft, wo just jene Unternehmen besser wegkommen, die nicht die Köpfe rollen ließen und die keine "virtuellen Teams" bildeten. Entlassungen alleine führten noch nicht zu höherer Produktivität, verkündet Strassmann, der virtuelle Teams für futzing (Trödelei) hält. Diesmal rennt er allerdings vielerorts offene Türen ein: Die großen Erwartungen, die Konferenzsysteme wie Netscapes Conference oder Microsofts NetMeeting begleiteten, ließen sich bislang überhaupt nicht realisieren. Zwar funktionieren die Produkte, "doch greifen die Leute aus irgendeinem Grund immer noch zum Telephon", heißt es in einer Analyse von Giga Information. Allein der gestrenge Name der Programme scheint die Nutzer schon abzuschrecken. Lotus, das ebenfalls im digitalen Konferenzwesen mitmischen will, hat bereits reagiert und seine Software Maui genannt.

Ob die Assoziationen mit einem unbeschwerten Ferien-Klönschnack in der Südsee den ersehnten Erfolg bringen werden, kann wohl selbst Strassmann nicht beantworten. Denn seine Bücher versprechen zwar patente Lösungen für den richtigen Einsatz der Informationstechnik, doch sind sie als ewige Trilogien entworfen: Die Lösung wird immer für den nächsten Band versprochen. Hier zeigt sich, wie sehr Strassmann denn doch mit der Branche verwachsen ist auch die vertröstet genervte Benutzer stets auf die nächste Programmversion.

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