Der Anglistikprofessor Dietrich Schwanitz ist mittlerweile so berühmt, daß er bei allen möglichen Fragen des täglichen Lebens um Rat gebeten wird. Da sitzt beim Italiener plötzlich ein Herr D., dick und rund, neben ihm.

Der Mann ist von der örtlichen SPD und mußte neulich mit einem Genossen zur Projektgruppe Frauenhaus. Da ist ihm was passiert. Das will er dem Autor des hochumstrittenen Romans "Der Campus" jetzt unbedingt erzählen.

Es sei ja die Idee des Genossen gewesen, sagt der Mann. Der habe diese Wahnsinnszigarren rausgezogen. Halben Meter lang, die Dinger, will man den wedelnden Patschhändchen Glauben schenken, die hätten sie sich vorne einfach reingesteckt und angezündet.

Die Augen des Professors ruhen auf Herrn D. In ihnen liegt das kühle Interesse eines Insektenforschers. Ob der Fall eine Karteikarte lohnt? D. quält sich. Dann bricht es raus. Auf die spitze Anfrage, was an Zigarren so toll sei, da habe er - D. glüht jetzt in tiefem Rot -, habe er gesagt, die Zigarre sei auf den nackten Schenkeln eines blutjungen Mädchens gerollt.

Schwanitz lacht. Wenn Schwanitz lacht, strömt die Heiterkeit von seinen Mundwinkeln aus langsam nach hinten und zieht die Ohrmuscheln mit, die sich daraufhin im mittleren Bereich eng an den Kopf legen. Das läßt die Ohrspitzen geradezu diabolisch wie kleine Zipfel abstehen. Der Mann amüsiert sich. Dietrich Schwanitz kichert über nichts so gerne wie über Situationen, die komplett entgleisen. Und es scheint, als würde er solche Situationen geradezu anziehen. Aufsaugen, speichern. Und verwerten. Der Schwanitz-Roman "Der Campus" ist eine Anhäufung von Slapsticknummern.

D. flüstert, er müsse zur Eröffnung des Frauenhauses etwas sagen, was er denn sagen solle, wo doch die Frauen nicht mehr mit ihm reden.

Im Roman "Der Campus" gibt es ziemlich viele nervige Frauen. Zum Beispiel eine laserscharfstimmige Frauenbeauftragte. Eine rollige Studentin mit schwingenden Brüsten, die den armen Professor Hanno Hackmann ins Verderben reißt. Das hat Schwanitz viel Schelte eingebracht. Zwei Bodyguards wurden bestellt, um ihn bei einer Lesung gegen aufgebrachte Feministinnen zu verteidigen. Und dann der Applaus von der falschen Seite, von Männern, die wie D. seine Nähe suchen, weil sie nicht mitbekommen, daß Schwanitz seine Spitzen sowohl generös wie geschlechtsneutral verteilt.