Tassen, T-Shirts, Glöckchen, Teller. Diana überall. Die Teller kosten je nach Ausführung 9 Pfund 99, 12 Pfund 60 oder 18 Pfund 99. In der Billigausführung ist das Portraitphoto mit den leuchtendblauen Augen so unscharf, daß man meint, man müsse zum Optiker. Die Luxusausführung ist nicht viel besser. Bei manchen Tellern steht auf dem Goldrand: "Englands Rose" oder "Die Volksprinzessin".

"Das Zeug hier geht ja noch", sagt der junge Mann hinter der Kasse des Souvenirladens am Trafalgar Square. "Schau'n Sie sich mal den Ramsch an, den andere Läden verkaufen!"

Der Ramsch dient angeblich einem guten Zweck. An dem Regal mit dem Diana-Krempel klebt ein mit Tesafilm befestigtes Pappschild: "Für diese Artikel wurde eine Spende an die Diana-Gedächtnisstiftung abgeführt."

Am 2. September 1997, zwei Tage nach Dianas Tod, gründete Buckingham Palace als Antwort auf die überwältigende Anteilnahme der Öffentlichkeit den Princess of Wales Memorial Fund. Die königliche Firma hat sich ganz der Moderne angepaßt, sie richtete sogar eine Internet-Seite ein. Allein der Verkauf der Elton-John-CD "Candle in the Wind" erbrachte 20 Millionen Pfund. Vom Bildband "Diana, Princess of Wales - A Tribute" wurden eine Million Exemplare verkauft. Bis Anfang vergangener Woche flossen 37 Millionen Pfund, umgerechnet 111 Millionen Mark, auf das Spendenkonto bei der National Westminster Bank.

Doch fünf Monate nach ihrem Tod ist das Andenken an die Prinzessin zum Gerangel um das große Geld verkommen. Vergangene Woche wurde bekannt: Mishcon de Reya, eine große Londoner Anwaltskanzlei, hatte der Stiftung für elf Wochen rechtlichen Beistand über eine halbe Million Pfund, umgerechnet eineinhalb Millionen Mark, in Rechnung gestellt. Mit Stundensätzen bis zu tausend Mark. Die Rechnung wurde anstandslos beglichen. Anthony Julius, Chef der Anwaltskanzlei, ist zugleich Vorsitzender des neunköpfigen Kuratoriums. Schatzmeister ist Michael Gibbens, zur Präsidentin der Stiftung wurde Dianas Schwester, Lady Sarah McCorquodale, ernannt.

Wer die Stiftung sucht, wird weitergeschickt

Er habe keine Ahnung, sagt der junge Mann hinter der Kasse des Souvenirladens, welcher Anteil des Verkaufspreises der Teller an die Stiftung gehe. Er wisse auch nicht, wer die Spende abführe. Jeder versuche jetzt, an der toten Prinzessin zu verdienen. Aber wohl jeder habe ein schlechtes Gewissen dabei.