Wilhelm Zeiser hält sich einiges darauf zugute, ein Macher zu sein einer, der die Dinge anpackt, statt sie schleifen zu lassen. Schließlich war er es, der vor ein paar Jahren die gefürchteten Sanierer der Unternehmensberatung McKinsey ins Ludwigshafener Rathaus geholt hat. Die durchleuchteten die ganze Verwaltung, am Ende fielen 800 Stellen weg. Natürlich, sagt der Stadtkämmerer Zeiser, ein Sozialdemokrat, sei das bitter gewesen. Aber immerhin habe Ludwigshafen jetzt eine der modernsten Kommunalverwaltungen bundesweit.

Nun ist der Macher wieder gefragt. Denn wenn der Euro über des Kanzlers Heimatstadt kommt, wird sich in Ludwigshafen erneut einiges ändern müssen. Nicht nur die Eintrittspreise fürs Schwimmbad, die Mahnbescheide für säumige Bußgelder oder die Verträge mit privaten Unternehmen müssen auf das neue Geld geeicht werden. Vor allem "verwaltungsintern", sagt Euro-Beauftragter Zeiser, werde der Euro vieles durcheinanderwirbeln: "Da gibt es unheimlich viel Zeug, das man auf den ersten Blick gar nicht erkennt."

Immerhin spielt der Staat bei der Währungsumstellung eine Hauptrolle: Jede zweite in Deutschland verdiente Mark fließt durch die öffentlichen Hände. Ob Bürger und Unternehmen schon früh den Euro verwenden oder sich zurückhalten, hängt entscheidend von staatlichen Regelungen ab.

Doch die Finanzminister und Stadtkämmerer sind auf der Hut: Angesichts leerer öffentlicher Kassen wollen sie die Kosten der Geldumstellung möglichst niedrig halten. Weil sie bis zum Ende der Übergangszeit am 1. Januar 2002 von niemandem verlangen können, mit dem Staat in Euro abzurechnen, muß die Verwaltung bis zum Schluß auch in Mark abrechnen.

Würden sie bereits 1999 auf Euro umstellen, müßten sie eine "doppelte" Buchführung installieren. Und das wäre extrem teuer: Computerprogramme, Formulare, die staatliche Haushaltsführung - in Tausenden von Änderungen müßte die gesamte Verwaltung doppelwährungstauglich gemacht werden. Ein gigantischer Aufwand, der drei Jahre später, wenn die Mark endgültig verschwunden sein wird, schon wieder überflüssig wäre. Die Umstellung soll aus diesem Grund als big bang zum Neujahrstag 2002 vonstatten gehen. Mit einem einzigen Urknall beginnt dann auch in der Verwaltung das Euro-Zeitalter.

Deshalb akzeptieren auch die Finanzämter erst vom 1. Januar 2002 an Steuerunterlagen in Euro. So beschlossen es vorige Woche die Finanzminister der Länder und setzten damit den Schlußpunkt unter einen zwei Jahre schwelenden Streit zwischen Verwaltung und Wirtschaft.

Verbände und Großkonzerne sind von der Entscheidung nicht gerade begeistert: Der Staat, so argumentieren sie, störe damit die rasche Verbreitung der neuen Währung, die ja schließlich auch politisch gewollt sei. Gerade international aktive Firmen, die direkt vom Euro profitieren und deshalb schon früh umstellen wollen, würden gezwungen, doppelt zu rechnen, um ihre Steuererklärungen und -anmeldungen nach wie vor in Mark abzugeben - was entsprechend teuer wäre. Noch schlimmer: Der deutsche Staat verstoße womöglich gegen europäisches Recht. Eine EU-Ratsverordnung schreibt den Grundsatz fest, in der Übergangsphase zwischen 1999 und 2002, wenn es noch kein Euro-Bargeld gibt, dürfe niemand zur Verwendung der neuen Währung gezwungen, aber auch niemand daran gehindert werden.