Zeitungen und Zeitschriften werden im Jargon der Verlage gern als "Objekte" bezeichnet - ein ungutes Wort. Blätter sind nicht Objekt, sondern Subjekt, nicht Gegenstand, sondern Lebewesen. Sie haben ihre Identität und Tradition, ihre Stärken und Schwächen. Wie alles, was lebt, verändern sie sich. Auch dieses Blatt erneuert sich, um sich treu zu bleiben.

Die ZEIT hat ein neues Layout - modern, aber nicht modernistisch; durchaus klassisch, aber nicht traditionell. Mario García hat es entworfen. Der große Zeitungsdesigner ging mit Lampenfieber an die Aufgabe heran, wie er in unserem Dossier "Schöner lesen!" (Seite 15) verrät.

Wir wollen Sie, liebe ZEIT-Leser, besser durch das Blatt begleiten: mit knapperen Überschriften, auf daß Sie sich gleich entscheiden können, was Sie lesen wollen und was nicht; mit einer klaren Gliederung, damit Sie im Nu den Teil der ZEIT finden, der Sie am meisten interessiert; und - endlich! - mit einem vollständigen Inhaltsverzeichnis auf der Rückseite des ersten Buchs.

Die ZEIT ist der Treffpunkt all derer, die gern lesen. Häppchen, Kästchen, Mätzchen sind nicht unsere Art, Leben in die Seiten zu bringen. Leseruhe und Spannung zugleich, das ist die Kunst. Auf jeder Zeitungsseite lebt sie neu vom Wechselspiel zwischen Textspalten und Weißraum: Das neue Layout verschiebt und bricht bewußt die Perspektiven, so wie sich nach der langen Zeit der Ideologien zum Glück nichts mehr am Reißbrett denken, auf Linie zwingen und zwängen läßt.

Stil ist oft eine Frage des Verzichts, und die neue ZEIT verzichtet auf Trennlinien zwischen den einzelnen Artikeln. Das Layout bekundet unsere Offenheit für alles Neue: neue Gedanken, neue Ansätze in Gesellschaft und Politik, in Wissenschaft und Wirtschaft.

In Deutschland tut sich überall so viel, während im Staat und Sozialstaat, in Verwaltung und Bildungswesen viel zuviel stillsteht - die öffentliche Hand bremst, statt zu gestalten. Reformen der staatlichen Strukturen sind überfällig.

Die ZEIT soll hier eine kleine "Reformwerkstatt" werden. Bei einem Blatt, das in der Vergangenheit manches bewegt hat im Lande, ist dies eine Aufgabe für die gesamte Redaktion. Und so, wie die ZEIT in den siebziger Jahren als erstes der großen Blätter einen Umweltredakteur verpflichtete, so wird sich künftig ein Team von drei ZEIT-Journalisten voll und ganz mit Strukturreformen befassen: Die drei werden in Deutschland wie in aller Welt kluge Reform-Ideen sammeln, sie im Blatt zur Debatte stellen.