Seit Fernsehen von der Abendunterhaltung zum Tagesbegleitmedium mutierte, sendet es fallweise auf einer neuen Frequenz, und die heißt Beiläufigkeit. Diese Entwicklung war gar nicht zu umgehen, und sie ist auch keineswegs nur ein Verlust. Wer 24 Stunden am Tag Programm macht, kann nicht durchgängig hohe Töne anschlagen, er muß auch mal einfach nur daherreden dürfen. Diese schlichte Wahrheit ist bei den letzten Freunden von Opas Fernsehen noch nicht angekommen; von daher rührt das kaum auszurottende Vor- und Fehlurteil, Fernsehen sei heute oberflächlicher und deshalb nicht mehr der Mühe wert. Eine Mühe allerdings ist hinzugekommen: Man muß das Programm studieren und auswählen, wenn man kluge, besondere, ambitionierte Beiträge sehen will.

Man kann sich aber auch der Beiläufigkeit überlassen und sich wohlig in ihr wiegen - was für immer mehr Fernsehnutzer zur Gewohnheit wird. Radioähnlich brabbelt dann das Ding vor sich hin, von Zeit zu Zeit kriegt es einen Seitenblick ab, und erst das akustische Signal zieht den Freund einer Serie oder eines Magazins in den Sessel. All das hat Folgen für die Kritik. Sie kann nicht immer mit dem ganz freien Besteck operieren, und auch der grobe Hammer ist öfters fehl am Platz. Was sagt die Existenz dieser Serie über ihre Macher und Konsumenten aus? Das ist die Frage, und weniger: Wie wird es gesagt, gut oder schlecht?

"Happiness" ist eine Sketch-Revue, in der vier Witzbolde (darunter Dorkas Kiefer und Markus Maria Profitlich) Pointen eher ausstreuen als abschießen, und sie sagt aus, daß unsere Fernsehgesellschaft saturiert, abgebrüht, gleichgültig und zum Verzeihen geneigt ist - selbst wenn etwas wirklich Schlimmes passiert, wenn ein Witz nicht zündet, eine Pointe verschenkt oder verschmiert wird. "Happiness" veralbert die Werbung, die Yuppie-Welt, den Funk ("Radio Gaga") und das Fernsehen, sägt also nach bewährter Manier am Ast, auf dem es sitzt ,und stürzt auch redlich ab - aber seit Fernsehen nebenbei konsumiert wird, ist das keine Todsünde mehr, die kritisch gegeißelt, sondern ein Symptom, das richtig bewertet werden will. Alles halb so wild, Leute, sagen uns die Spaßmacher, war halt 'n Versuch, und nur wer nichts riskiert, macht keine Fehler. Man könnte auch behaupten, eine Sendung wie "Happiness" sei komplett überflüssig. Aber ist das eigentlich ein Einwand? Nicht in, aber mit dem Überfluß beginnt die Kultur.

Und in "Happiness" gab's letztens immerhin diesen Gaga-Gag: "Liebe Zuschauer und Zuschauerinnen draußen vor den Fernsehern und den Fernseherinnen ..." Na gut, keine Spitzenklasse, aber hübsch beiläufig.