Prag

Eine raffinierte Quizfrage: Wie hieß der wahre Autor von Haseks "Schwejk" und Kafkas "Prozeß"? Es war der Genius loci pragensis.

Ja! Prag war es, jenes vor 1939, das sich mit seinen drei großen Kunststämmen, dem tschechischen, dem deutschen und dem jüdischen, eine hauseigene multikulturelle Konkurrenz von Weltklasse zu schaffen wußte.

Dann wurden in kürzester Zeit die dritten von den zweiten ausgerottet und die zweiten von den ersten weggeschafft. Was blieb, war eine Monokultur, durch den "Internationalismus" sowjetischer Prägung gemaßregelt, die in tiefen Provinzialismus verfiel. Nur einige herausragende Leistungen mahnten dann und wann wie einsame Kerzen an den schon totgesagten Genius von Prag ...

Doch auch sein Grab öffnete sich 1989 durch das Schlüsselrasseln von Millionen Tschechen. Und wir, die uns noch der Wunderstadt von einst erinnerten, machten uns ihre Wiederauferstehung zum restlichen Lebensziel.

Es war mitreißend, wie schnell und tatkräftig alle auf eine Idee reagierten, die fast utopisch klang. Mit vereinter Kraft von Staatsoberhäuptern, Spitzenintendanten, Politikern, Beamten und Journalisten aus vier Ländern schafften wir es, daß nach nur einjähriger Vorbereitung im September 1996 das erste hochkarätige Theaterfestival deutscher Sprache über die größte Schauspielbühne Prags ging.

Das Löwenverdienst daran hatte die Kulturstiftung der Deutschen Bank, deren damaliger Chef, Frank-Andreas Bechtold, die Tragweite des Projekts sogleich erkannte. In Absprache mit dem zuständigen Gremium garantierte er die finanzielle Deckung für zwei Jahre. Dann sollten flankierende Maßnahmen folgen, bis sich ein Kreis fester Förderer geschlossen haben würde.