Als er 1874 in seine Heimatstadt Lüdenscheid zurückkehrte, um einen Vortrag über Freiligrath zu halten, konnte er kurz darauf in der Zeitung lesen, daß ein Dichter wie er sich besser dem "rein geistigen Schaffen" widmen und sich nicht "in den Strudel der Tagesfragen" einmischen solle - Kaiserzeitgeist, fast wie anno 1998. Aber Albert Grün (1822 bis 1904) war, gleich seinem Bruder Karl, ein Streiter. Als überzeugter Demokrat kämpfte er 1848/49 für die deutsche Republik, organisierte den Widerstand gegen die Preußen in der Pfalz und floh schließlich, zum Tode verurteilt, in den Elsaß, wo er als Lehrer arbeitete. Nach der Annexion 1871 versuchte er sich ein wenig an der deutsch-französischen Versöhnung, vergeblich. Er schrieb Gedichte, Dramen - ein vielgelobtes Stück über Friederike Brion und auch eins über Georg Forster das Manuskript blieb ungedruckt und liegt heute in der Straßburger Bibliothek. Das heißt: Bis zum 22. Februar kann es noch im Stadtmuseum Lüdenscheid betrachtet werden, wo man Albert Grün eine Ausstellung gewidmet hat, zur Erinnerung an den Dichter - und den Demokraten (Begleitband: 30 Mark Informationen: Tel. 02351/17 14 -96 oder -86).