München

Am 8. Februar hat in Bayern der politische Souverän das Wort: Die Bürger sollen in einem Volksentscheid unter anderem über eine Novellierung ihrer Landesverfassung befinden.

Also wird die Todesstrafe nun endgültig aus der bayerischen Verfassung verbannt. Ferner bekennt sich Bayern "zu einem geeinten Europa", zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern und Behinderten generell, von Mädchen und Buben in der Säuglingserziehung speziell, zur Achtung der Tiere als "Lebewesen und Mitgeschöpfen", zur Förderung des Sports - Selbstverständlichkeiten, die nun festgeschrieben werden sollen.

Doch sprachlich Überholtes aus der Verfassung zu streichen oder zu ändern - daran hat keiner von ihnen gedacht. So wird den Bayern eine beträchtliche Zahl Ausdrücke in ihrer Verfassung erhalten bleiben, die entweder rätselhaft oder ungewollt mehrdeutig sind.

Was etwa sollen sie unter "Bedarfsdeckungsgebieten" verstehen - unter "Obsorge" oder einer "Vergabung"? Auch die Versicherung, die Wohnung sei "für jedermann eine Freistätte", wird sie nachdenklich stimmen. Dagegen erweckt die Vorschrift, "im nachbarschaftlichen Verkehr" seien alle "zur gegenseitigen Hilfe verpflichtet", im Leser unberechtigte promiskuitive Hoffnungen.

Fragen über Fragen. Soll man "Staatsangehörige ohne Unterschied" als androgyne Wesen deuten? Ist der Gesetzgeber wirklich in der Lage, alle "... Nachteile der Geburt ..." aufzuheben? Und kann dem Gesetzgeber wirklich daran gelegen sein, eine "allmähliche Erhöhung der Lebenshaltung aller Volksschichten" anzustreben? Was schließlich sollen insbesondere junge Leute mit der Behauptung anfangen, Sonn- und Feiertage seien "Tage der seelischen Erhebung"?

Auch sprachlichen Scheußlichkeiten sind die Parlamentarier treu geblieben.