Die fein ziselierten Antworten Oskar Lafontaines auf die Fragen nach einer Großen Koalition sind ein bißchen zu sehr untergegangen. In Klaus Bressers "Was nun, Herr Lafontaine?" (ZDF) bewertete er solche Aussichten mindestens so gelassen wie kürzlich Schäuble: Man solle eine Große Koalition nicht anstreben. "Wenn allerdings die Wähler keine andere Möglichkeit lassen, dann werde ich wie Schäuble sagen, dann ist das halt vom Wähler so gewollt, und dann ist das kein nationales Unglück."

Lafontaine galt in der Leitartikler-Wahrnehmung als Rot-Grün-Prophet. Daß auch er keinen "Lagerwahlkampf" führen möchte, dürfte mit dem Auftritt im ZDF endgültig klargestellt sein. Schröder aber, und das macht das Bild so verwirrend, zeigt sich weniger flexibel. In Bonn interessiert ihn nur das Kanzleramt. Also will er auf keinen Fall Minister in einer Großen Koalition unter einem CDU-Kanzler werden. Eine Große Koalition mit einem SPD-Kanzler aber ist schwer vorstellbar. Denn wenn die Sozialdemokraten mit den Grünen eine einigermaßen eindeutige Mehrheit erobern, müßten sie es nach Lage der Dinge zusammen wagen. Die Pointe: Für Schröder käme eigentlich nur ein rotgrünes Bündnis in Betracht.

Zu allem Überfluß erweisen sich auch die Grünen in Hannover nicht gerade als handzahm. Falls Schröder am 1. März die absolute Mehrheit verfehlt, müßte er mit ihnen verhandeln, es sei denn, er zöge eine Große Koalition mit dem Christdemokraten Wulff vor. Dann sitzen sie aber an einem recht langen Hebel, denn eine Große Koalition in Hannover wäre wohl kaum die Botschaft, die Schröder der Bundestagswahl vorausschicken will.

Um die Sache noch weiter zu komplizieren: Die Bremer Große Koalition ist - auch wenn die CDU ächzt - plötzlich dabei, die Bonner große Lauschangriffs-Koalition zu unterlaufen. Und für Sachsen-Anhalt schwört Reinhard Höppner zwar einer Großen Koalition ab, die Wähler würden Rot-Grün bestimmt eine Mehrheit beschaffen. Aber wer kennt schon die Wähler? Falls sie in Magdeburg "keine andere Möglichkeit lassen" als ein Bündnis der Großen, würde Höppner vermutlich ebenso gelassen reagieren wie Lafontaine. Bloß, wie will dann Helmut Kohl einen Lagerwahlkampf gegen das rotgrüne Unglück führen?

Es hängt viel an Volkes Stimme in diesem Jahr, aber das soll ja erlaubt sein in der Demokratie.