Jetzt wollen Japans Banken also ihre MOF-tans abschaffen. Deren Pflicht war es - und sie erfüllten sie gern -, die Landschaft im Finanzministerium (Ministry of Finance, kurz: MOF) zu pflegen. Hingebungsvoll führten sie die Spitzenbeamten zum Essen aus, gingen mit ihnen trinken und Golf spielen.

Dafür wurden sie ins Bild gesetzt, wenn die Bankenaufsicht mal wieder die Bücher ihres Hauses prüfen wollte.

Vorbei das frohe Geben und Nehmen. Ein ehemaliger Staatsanwalt sitzt nun auf dem Stuhl des Finanzministers. Hikaru Matsunaga steht immerhin im Ruf, ein Ehrenmann zu sein. Wer unter Japans Politikern kann das von sich behaupten, ohne sanft zu erröten?

Premier Hashimoto mußte den alten MOF-Chef in die Wüste schicken, weil Japans jüngste Regierungsaffäre besonders unpassend kam. Mitten in der Asien-Krise wußten Tokios Zeitungen zu berichten, daß Beamte des Finanzministeriums dem kürzlich in Konkurs gegangenen Wertpapierhaus Yamaichi angeraten hätten, Verluste doch am besten in der Bilanz zu verstecken. Wie sollte die Finanzwelt da noch den Hütern des Yen vertrauen?

Die Minister in Japan, und die Ministerpräsidenten, kamen und gingen, alle zwei Jahre ein neuer. Niemand im Ausland mochte sich ihre Namen merken. Die Japaner waren es zufrieden, blieben doch die Beamten und bereiteten still die großen Entscheidungen auf dem kleinen Dienstweg vor. Das Land blühte.

Nun hat sich der saubere, tüchtige Beamte, der am ahnungslosen, bisweilen hemmungslosen Politiker vorbei die Staatsgeschäfte mit ruhiger Hand lenkte, als Illusion erwiesen - ganz wie der immerwährende Boom. Noch eine kleine Ernüchterung im siebten Jahr der Stagnation.