Als Kenneth Starr seine Arbeit als unabhängiger Sonderermittler in der Whitewater-Affäre begann, wußte er genau, was er nicht sein wollte: ein scheinbar ständiger Ankläger, dessen Ermittlungen sich endlos in die Länge zögen. Auf keinen Fall wollte er ein Lawrence Walsh sein. Dessen Untersuchung der Iran-Contra-Affäre hatte die Amtszeiten zweier amerikanischer Regierungen überdauert.

Dennoch steht Kenneth Starr heute, nach dreieinhalb Jahren, an der Spitze eines Ermittlungsverfahrens, das die Dimension der Walsh-Untersuchung angenommen hat: Mehr als 26 Millionen Dollar kostete das Verfahren bereits.

Begonnen hatte es als Überprüfung eines Grundstückgeschäftes in Arkansas 1978. Seither haben sich die Ermittlungen auf eine Vielzahl anderer Bereiche ausgedehnt. Überprüft wurden die Entlassungen von Angestellten aus der Reiseabteilung des Weißen Hauses das Ansammeln von FBI-Akten über republikanische Mitarbeiter im Weißen Haus der mögliche Meineid eines ehemaligen Rechtsberaters Präsident Clintons und das mysteriöse Wiederauftauchen von Rechnungsbelegen der Anwaltskanzlei Rose im Weißen Haus - zwei Jahre, nachdem eine gerichtliche Anordnung für ihre Herausgabe ergangen war.

Seit der jüngsten und explosivsten Erweiterung seines Ermittlungsverfahrens - es geht um die Behauptung, der Präsident vertusche eine Affäre mit einer Praktikantin im Weißen Haus - befindet sich die Clinton-Administration in einem öffentlichen Clinch mit Kenneth Starr, einem 51jährigen ehemaligen Richter des amerikanischen Federal Appeals Court.

Ist Starr tatsächlich - wie die Regierung und ihre Anhänger ihm vorwerfen - ein übereifriger und politisch motivierter Ankläger auf der Jagd nach den Clintons? Ein Mann, der unaufhörlich "nach Schmutz gräbt", wie Hillary Clinton es vergangene Woche ausdrückte? Oder ist Kenneth Starr - wie Kollegen ihn beschreiben - ein eher unwilliger Ermittler, dem nichts lieber wäre, als die ganze Affäre zu den Akten zu legen, dieses aber aufgrund der Blockadehaltung des Weißen Hauses und immer neuer Hinweise auf zweifelhaftes Verhalten des Präsidenten nicht kann?

Die Wahrheit läßt sich nur schwer ermitteln. Ein großer Teil der Aktivitäten von Starrs Büro findet unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt, so wie es in einem Geschworenenverfahren geboten ist. Vielleicht liegt die Wahrheit jedoch zwischen jenen beiden Ansichten. Vielleicht ist Starr mit seinen eindeutigen politischen Präferenzen der falsche Mann am falschen Platz - als Ermittler mit einer Aufgabe betreut, die in jedem Fall schwierig wäre. Nur wurde sie noch erschwert durch eine Reihe von Faktoren, die sowohl innerhalb als auch außerhalb seiner Kontrolle liegen.

Das Gesetz über unabhängige Sonderermittler schafft eine einzigartige, mächtige Kreatur. Zwar ist der Sonderermittler gezwungen, sich an die politischen Vorgaben für Bundesanwälte zu halten, doch sein Budget ist unbegrenzt, und seine Möglichkeit, nach Gutdünken Geld und Leute für praktisch jede Verzweigung seiner Ermittlung einzusetzen, ist beispiellos.