Theater, Show, Ballett, Musikabend, Gruselkabinett, Maschinenraum - wie auch immer man die Kunst des Chico MacMurtrie nennen will, ihre Hamburger Premiere hat sie am Mittwoch abend dieser Woche. Zu einer Zeit also, da diese ZEIT schon unterwegs zu ihren Lesern ist, weshalb hier nicht beschrieben werden kann, wie das Publikum reagiert, wenn 42 Roboter auf der Bühne stehen, malen, musizieren, klettern, kriechen, zappeln, brabbeln und Purzelbäume schlagen. Wird den eisernen Akteuren applaudiert?

Vor einer Woche trafen Chico MacMurtrie und seine fünf Künstleringenieure im Kulturzentrum Kampnagel ein. In einer riesigen Halle, deren Staub noch sehr nach der alten Kranfabrik schmeckt, stellen sie ihre Maschinen auf. 28 mal 14 Meter mißt die Spielfläche zu ebener Erde bis zu 300 Menschen sollen sich an zehn Abenden je eine Stunde lang darum scharen und drängeln und drücken.

Die Roboter sind keine aluminiert glänzenden, aalglatten Hünen, die Raumschiffe steuern und mit Strahlenwaffen schießen. Sie sehen eher aus, als kämen sie direkt vom Schrott. "Amorphic", ungestalt, nennt sie ihr Schöpfer.

Das jüngste Exemplar, erst in Hamburg vollendet, ist so groß wie ein Schoßhund, so beweglich wie ein Affe und hat Vorderbeine aus der Berliner Mauer.

Wer genau hinsieht, kann die Teile der geriffelten Armierung erkennen, die den antifaschistischen Schutzwall einst im Innersten zusammenhielt.

Die Hinterbeine des Affenhundes stammen aus Portugal, wo sie vermutlich heute noch in der Ecke irgendeiner Werkstatt herumliegen würden, wären sie nicht eingesteckt und mitgenommen worden.

Es gibt knietiefe Roboter, nur aus ein paar Strichen, als wären sie von Picasso skizziert, und mannshohe, mit Brustbein und Schulterblättern von der Form und Größe eines Fahrradlenkers.