Laurens Straub ist ein Heiliger des Neuen Deutschen Films. Als Zeuge und Mitstreiter hat er die Anfänge von Herzog, Wenders, Fassbinder und vielen anderen begleitet. 1971 zählte er zu den Gründern des Filmverlags der Autoren. In den achtziger Jahren betrieb er einen Verleih und mehrere Kinos in München. Seit 1992 ist Straub Professor an der Filmakademie Ludwigsburg.

Außerdem leitet er, zusammen mit der Regisseurin Pia Frankenberg, die Hamburger Produktionsfirma Next Film.

Jetzt hat Straub einen Film produziert, der seinen Vorstellungen von intelligenter Kinounterhaltung entspricht. Er sehe nicht ein, sagt Straub im Presseheft zu "Das Trio", warum "ein Land mit einem großen Sprachgebiet von 100 Millionen Zuschauern ... keine erfolgreiche Industrie haben soll". Denn: "Noch nie war das Interesse an Schauspielern und die Freude darüber, daß deutsche Schauspieler gute Schauspieler sind, so groß."

"Das Trio", das übrigens nicht vom Filmverlag der Autoren, sondern von der Firma Warner Brothers verliehen wird, ist ein Film mit Götz George. Von George weiß man aus zahllosen Talk-Show-Auftritten, daß er immer eine neue schauspielerische Herausforderung sucht. Diesmal bestand sie darin, einen Homosexuellen zu spielen. George ist Zobel, ein Taschendieb, der mit seiner Tochter Lizzi (Jeanette Hain) und seinem Liebhaber Karl (Christian Redl) in einem Wohnmobil von Stadt zu Stadt fährt und Passanten beklaut. Dann geschieht ein Unfall, Karl wird schwer verletzt und stirbt bald darauf. Zobel braucht Ersatz. Rudolf (Felix Eitner), der neue Mann im Team, ist bisexuell und sorgt für Spannungen zwischen Vater und Tochter. Man liebt und zankt sich, fällt sich in die Arme und rennt wieder auseinander, doch am Ende sind alle vereint am Strand, und es gibt Nachwuchs. Klingt hübsch industriell.

Aber "Das Trio" ist auch ein Film von Hermine Huntgeburth, der Regisseurin verruchter Familien- und vertrackter Frauengeschichten ("Im Kreise der Lieben", "Gefährliche Freundin"), der ergriffenen Portraitistin eines erträglichen und jugendfreien Elends. Und deshalb ist es zwar ein netter, aber kein großer Film. Denn Hermine Huntgeburth scheut die großen Leiden und Leidenschaften wie der Teufel das Weihwasser. Unter ihrem Blick wird jede Hölle zur Idylle. Das Feuer der erotischen Rivalität zwischen Vater und Tochter schürt sie nur an, um es in Rührung ertränken zu können. Daß Zobel den Blinden mimt, wenn er auf seine Raubzüge geht, hätte im durchschnittlichen amerikanischen Industriefilm ein wunderbares dramatisches Motiv ergeben. Hier verzischt die Idee nur leise unter den andrängenden Fluten deutscher Gemütlichkeit. Und so besteht die einzige Herausforderung für Götz George darin, inmitten von so viel Wohlgefühl unglücklich auszusehen. Das schafft er spielend. Zwei, drei Manierismen - hier ein Stottern, da ein Hundeblick, dort ein hektisches Zaudern, Zögern, Gieren - bringen ihn locker durch den ganzen Film. Zur Unsterblichkeit wird das nicht reichen. Aber es verkauft sich gut.

Was ist nun "Das Trio" - eine Komödie, ein Melodram? Der Film wäre gern eine Verbindung aus beiden. Doch er ist nur eine Vermeidung von beidem, dem Komischen wie dem Tragischen. Fern vom Furor der Gefühle verbreitet er den vertrauten Dunst eines Abends am Stammtisch. Das ist die Metaphysik der Bierwerbung, und es ist genau die Richtung, in die die deutsche Filmkomödie gewohnheitsmäßig geht.

Sönke Wortmann ist der erfolgreichste Kino-Dekorateur des deutschen Feierabends. Das Ansprechende seiner Filme ist der Glanz der reinen, geheimnislosen Oberfläche: Niemand wird je hinter die Schale seiner Figuren und Geschichten dringen, denn sie haben kein Dahinter. Damit die Leere nicht so auffällt, konfrontiert Wortmann seine filmischen gern mit gesellschaftlichen Klischees: Er schickt einen Macho in eine Frauen-WG ("Allein unter Frauen"), einen Schürzenjäger zu einem Schwulen ("Der bewegte Mann") oder eine schreibende Hausfrau ins Filmgeschäft ("Das Superweib").