Wie soll man(n) über so ein Mädchen schreiben, als älterer Herr, als Literaturkritiker mit strengen Maßstäben? Würde ein junger Raver mit Basecap und Kapuze weniger korrumpiert werden durch die Überdosis Sex, die ihm auf jeder Zeile des Debütromans "Relax" (bei Rogner & Bernhard erschienen) ins Gehirn gejagt wird? Hier hat nämlich nicht der alte Nabokov einen Roman über eine frühreife Verführerin geschrieben, sondern: Lolita hat ihn gleich selbst geschrieben. Jedoch, Sex hin, Sex her: Junge Menschen haben ein Recht auf das Hinhören der Älteren, der Pädagogen, der Kritiker. Was nützt die Emphase des Fans ("Ey, goil, eh! Das iss DAS Buch, eh!"), wenn es um ein Werk von Bedeutung und Könnerschaft geht, vergleichbar mit Salingers "Fänger im Roggen"?

Berlin, in einer luxusrenovierten Ex-schmuddelwohnung. Lange Fragen, kurze Antworten. Das war zu erwarten. Die Sätze der Autorin sind Handkantenschläge, die des Besuchers das gesammelt-gestammelte Bildungsgut des deutschen Philologen: "Fräulein von Lange, die Sprengkraft Ihrer Prosa liegt darin, daß Sie wirklich über Sex und Drogen schreiben, daß das echte Erfahrungen zu sein scheinen aus einem wahren Alltag mit authentischen Worten, etwa, ich zitiere: ,Pinkeln, Pissen, Puschern, Schwanzwaschen, Rattern, Fusseln' - was ist eigentlich Rattern?"

"Selbst-be-frie-di-gung." Sie lächelt gnädig. Diese Locken! Dieses Marlene-Gesicht. Ihr Unterarm streift die Wange. "Aha. Danke schön.

Jedenfalls ist Ihr Buch über den Sex- und Partyalltag junger Menschen so hocherotisch geschrieben, daß erwachsene Leser darin so wenig blättern sollten wie in den Bravo-Aufklärungsseiten. Andererseits hat die Sprache den Drive und die Kraft und die Durchgängigkeit eines Hemingway. Alles ist rasend schnell, dazu noch brüllend komisch und am Ende tragisch. Wo haben Sie das alles her?"

Nun, sagt sie, sie habe schon mit sieben die ersten Geschichten geschrieben.

Manche ihrer Posen wirken selbstverliebt, wie eben der über die Tischplatte geschobene Oberkörper. Alexa ist 24, sieht aus wie 19 und schreibt über Teenies, die gewiß noch jünger sind. Sie erhebt sich, geht zwei Schritte. Sie ist so schlank und muß nur die Hüfte lässig ausstellen - aber egal. Zurück zum Thema!

"Ja, der männliche Vorname für die Erstgeborene, eben Hennig, deutet er die spätere Rollentransparenz an? ,Relax' ist doppelperspektivisch geschrieben.