Ob Armani, Ferré, Krizia, Valentino, Missoni oder Versace: Mailands Modeschöpfer müssen sich allmählich um einen Nachfolger kümmern. Die mittlerweile weltbekannten Namenszüge stehen inzwischen für Erbschaften, die zusammen auf ein Fünftel der gesamten italienischen Bekleidungsproduktion kommen. Zunächst standen diese Namenszüge vor allem für gekonntes Styling.

Die kreativen Schneider haben mit den verdienten Pfunden gewuchert und eigene Fertigungen für "elitäre Massenware" samt weltweiten Vertriebsketten aufgebaut. Und Parfüms, Brillengestelle, Krawatten, Schuhe, Kacheln werden zu Umsatzrennern, wenn Meister Giorgio Armani oder Signora Krizia, die im bürgerlichen Leben Mariuccia Mandelli heißt, mit einem Federstrich darübergehen.

Mittlerweile ist in Mailand allerdings Hochsaison für den Umbau der Modekonzerne. Trussardi übt Fusionsmanöver als Voraussetzung für die Börsenzulassung in New York. Gianni Versace hatte kurz vor seiner Ermordung den Gang an die Börse angekündigt - sein Bruder Santo steuert mit Vorsicht weiter darauf zu. Und Valentino weinte Tränen der Rührung, als er vor wenigen Wochen seine Konzernmehrheit für ein paar hundert Millionen Mark an die Mediobanca-Holding für Industriebeteiligungen verkaufte. Das ist Italiens größte Textilkonzentration außer dem Konzern Marzotto-Boss, für den wiederum Meister Gianfranco Ferré persönlich kreativ ist.

Giorgio Armani, der eigentliche Modezar, hat noch keine Nachfolgeentscheidung getroffen. Er wird nächstes Jahr 65. Sein Markenumsatz erreicht mit zwei Milliarden Mark eine Größenordnung, an der sich selbst Großvertreiber von Massenware wie Benetton messen müssen. Publikumsliebling der Mailänder ist er wegen seiner spartanischen Lebensweise, der Abneigung gegen barocken Pomp und modischen Firlefanz - und vor allem wegen seiner unerschöpflichen Arbeitsenergie.

Der einstige Medizinstudent verdankt den Erfolg einem modischen Alleingang.

Mitte der siebziger Jahre machte er in der Damenmode eine maskuline Linie salonfähig und verschrieb danach seiner Herrenmode einen elegant-gelockerten, fast weiblichen Zug. Damit sicherte er sich einen festen Abnehmerkreis vor allem bei jüngeren Menschen, deren Berufserfolg auch an der Kleidung hängt.

Seitdem sein Freund und Geschäftspartner Giorgio Galeotti tot ist, hält Armani die Doppelrolle des Modeschöpfers und Unternehmers durch. Erst in jüngster Zeit hat er seinen Nichten, voran Silvia, immer mehr Befugnisse übertragen.