Zähne gut, alles gut, hieß es in den siebziger und achtziger Jahren. Nun wird alles noch besser, noch schöner. Die Liberalen haben es eingefädelt, Gesundheitsminister Horst Seehofer (CSU) hat es exekutiert: Die dritten Zähne werden teurer, frei nach dem Motto: Was nichts kostet, ist auch nicht schön.

Wenn die Dentalbranche sich da nicht irrt. Der handfeste Streit, den die Zahnärzte um die Frage angezettelt haben, ob sie ihre Patienten fortan nach allen Regeln der hohen Abrechnungskunst schröpfen dürfen oder ob sie damit noch bis zur endgültigen Aufhebung der Preisbindung im Jahr 2000 warten müssen, könnte ein Schuß sein, der nach hinten losgeht. Wenn die Patienten erst einmal merken, daß die festgezurrten Zuschüsse der Krankenkassen für Zahnersatz nur noch Peanuts sind, dürften die Zahnärzte arg in die Kritik geraten. Noch haben sie das Zubrot, das ihnen Bonn in Höhe von mehreren Milliarden Mark angedient hat, nicht verdient.

Verunsicherte Patienten könnten den Arzt künftig ganz meiden. Und die Cleveren werden sich darauf besinnen, daß ihre dritten Zähne bei der Konkurrenz jenseits der Grenzen besser und billiger zu haben sind. Wer dem Nachbarland so nah nicht ist, wird möglicherweise ein oder zwei Urlaubstage in Ungarn oder Spanien verbringen, um sein Kauwerkzeug zu günstigen Konditionen richten zu lassen. Ein Segen für die Bevölkerung ist das freilich nicht. Ganz abgesehen von der letztlich unbequemen Versorgung im Ausland, gibt es noch das Problem der Gewährleistung: Reparatur und Korrektur sind allemal vor Ort sehr viel einfacher als im Ausland.

Was also tun, um den Griff mancher Zahnärzte ins Portemonnaie der Patienten zu stoppen? Solange der Gesundheitsminister nicht zur alten Preisbindung für Zahnersatz zurückkehrt, wofür es derzeit kein Anzeichen gibt, kommt es vor allem auf eins an: Die Krankenkassen müssen zum Schutz der Verbraucher Orientierungslisten mit den Namen solcher Zahnärzte anbieten, die weiterhin zu den moderaten Bedingungen abrechnen. Da ein solcher Schritt allein vermutlich nicht ausreichen wird, sollten die Krankenkassen ernsthaft über den Aufbau einer eigenen zahnmedizinischen Versorgung nachdenken - eine effektive Prophylaxe in Kindergärten und Schulen eingeschlossen. Damit läßt sich nicht nur Qualität sichern, sondern auch die notwendige Transparenz von Leistung und Preis herstellen.

Entschlossenes Handeln ist nicht nur wegen der absehbaren Beutelschneiderei unverzichtbar. Die Abkehr vom bisherigen Sachleistungsprinzip, in dem Art, Umfang, Preis und Gewährleistungsdauer des Zahnersatzes verbindlich festgelegt waren, bedeutet nämlich eine Entsolidarisierung auch bei der Zahnmedizin. Die ist politisch gewollt, als Pilotprojekt für die endgültige Privatisierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Krankenkassen haben es in der Hand, dieses Modell zu kippen.