Welcher Pauschalurlauber hört schon gern, daß sein Zimmernachbar im Hotel denselben Urlaub wesentlich billiger gebucht hat? Darum versprechen immer mehr Reisebüros ihren Kunden elektronische Hilfestellung bei der Orientierung im Tarifdschungel. Rund 1500 Agenturen bieten Urlaubern mittlerweile Reisepreisvergleiche an - sofort und kostenlos. Jüngstes Beispiel: Der Karstadt-Konzern rüstete Mitte Januar die 564 Filialen seiner Neckermann-, Hertie- und Holiday-Land-Ketten mit dem 2001-Leistungsvergleichssystem aus.

Doch so objektiv, wie Neckermann behauptet, ist der elektronische Preisvergleich nicht. Denn erstens verbietet das Wettbewerbsrecht den Reisebüros, Preise von Veranstaltern zu nennen, die sie nicht im Sortiment führen. Und zweitens, so argwöhnen Branchenkenner, werden Urlaubsfirmen, bei denen das Reisebüro nur unterdurchschnittliche Provisionen kassiert, gar nicht in den elektronischen Preisvergleichen auftauchen.

Insgesamt enthält der Karstadt-Rechner zwar fünfzig Millionen Angebote aus 370 Katalogen. Doch das Angebot beschränkt sich auf 43 Veranstalter. "Alle Reisebüros nutzen natürlich nur eine Teilmenge der vorhandenen Angebote", sagt der Bochumer Professor Wolfram Reulecke, dessen Institut für Freizeitanalysen (IFF) nicht nur den Karstadt-Konzern, sondern beispielsweise auch die Konkurrenz in den TUI-Reisebüros mit Daten versorgt. Insgesamt sind in der IFF-Datenbank die Angebote von 140 Reiseveranstaltern gespeichert.

Um an den gesamten Fundus heranzukommen, können Urlauber den zumeist kostenpflichtigen Service wettbewerbsneutraler Anbieter in Anspruch nehmen.

Die Stiftung Warentest etwa greift bei ihrem Reisepreisvergleich ebenso auf die IFF-Zahlen zurück wie das Magazin Reise & Preise. Beide verlangen für einen Vergleich zwanzig Mark. Die Duisburger Firma Marktcontrol macht bereits seit 1987 eigene Preisvergleiche und bietet diese den Lesern der firmeneigenen Zeitschrift Fliegen & Sparen kostenlos an.

Doch auch dieser Weg zum best buy hat seine Stolpersteine: Die Coupons erlauben nur eine sehr vage Beschreibung der Urlaubsbedürfnisse. "Wer nach Hawaii will und dabei Vollpension ankreuzt, geht leer aus, weil es dergleichen auf Hawaii nicht gibt", sagt Reulecke. Der IFF-Chef verweist zudem auf eine grundsätzliche Schwäche der elektronischen Schnäppchenjagd: Um in den Hitlisten der billigsten Preise möglichst oft an der Spitze zu stehen, bringen viele Veranstalter minimal kleine Kontingente mit extrem billigen Angeboten auf den Markt.

Bei den Vakanzabfragen, die IFF bei jedem dritten Preisvergleich routinemäßig startet, stellt sich nicht selten heraus, daß die verheißungsvollen Superschnäppchen schon längst vergriffen sind. Und wenn sie noch zu haben sind, handelt es sich, so Reulecke, "oft um Ladenhüter, beispielsweise Hotels in der zweiten Reihe zum Strand".