Es geht ja so viel verloren in dieser mordsmäßig beschleunigten Zeit.

Allein das Wort "mordsmäßig": erinnert gleichzeitig an eine untergegangene Institution namens Zuchthaus und an den verröchelnden Buchstaben ß.

Wann haben wir eigentlich zuletzt an Juno ("rund, dick, ohne Mundstück") gedacht, an Rainer Barzel, an das Bimssteinmäuschen? Welcher Siebenjährige beherrscht den Diener? Welcher Siebenundzwanzigjährige das Futur zwo?

Verweht, vergessen. Unmerklich. Nur ganz selten spürt man noch mal einen Stich.

"Ich stöhne", versprach mir neulich im heimatlichen Vereinsblatt eine obenherum mollige Frau, "ich stöhne dir LIVE ins Ohr! Telephon ..."

Da stach es mich. Hach ja. Genau. Wie wahr! Wie lange war es nun schon her, daß mir zuletzt eine Frau live ins Ohr gestöhnt hatte? Sicherlich Jahrzehnte.

Weg, futsch, perdu. Offenbar ist die Fähigkeit der Frauen, den Männern live ins Ohr zu stöhnen, verlorengegangen, jedenfalls in Deutschland. Heute muß man für 3,12 Mark in der Minute auf der melanesischen Inselgruppe der Salomonen anrufen, um sich live das Stöhnen salomonischer Frauen anzuhören.