Teuer war's, dieses Geburtstagsgeschenk. Eine halbe Million Mark hat es gekostet, eingekauft bei der Firma Robert Wilson, dem bewährten Hersteller feiner Theaterwaren. Und arg symbolisch wirkte es auch. Die Verpackung war luxuriös, außen lauter Glanz und Glitzer Marke Wilson, innen lauter Füllsel-Texte, Materialien von Heiner Müller und sonstwem. Eingebettet in all das Styroporzeugs, das mehr hermachen sollte, als drin war, lag ein winziges Präsentlein: "Der Ozeanflug", die Uraufführung eines zwanzigminütigen Radiostückchens von Bert Brecht. Lindbergh, der Luftgänger, strampelt mit seiner Flugmotte zwischen Himmel und Erde, und vom Tonband raunt dazu Minetti: "Ich bin der Nebel, ich bin der Nebel."

Sinniger könnte das Berliner Ensemble den Geburtstag seines Gründers gar nicht begehen: Es hängt in der Luft, stochert im Nebel und läßt sich den Spaß aus dem Theaterkaufhaus des Westens ("Les musts de Wilson") aus der Extraschatulle des Hauptstadtkulturfonds spendieren. Erst die "Galileo"-Pleite, dann der "Ozeanflug"-Absturz: So wird der arme B. B. zum Hundertsten ausgerechnet von seinem eigenen Theater blamiert. Am BE, dem Brecht-Mausoleum mit seinem Gespenster-Ensemble von Brecht-Verwesern, wirkt der Jubilar verblichener als sonstwo, töter als tot.

Kaum überraschend, daß da wieder der Vorschlag auftaucht, die Brecht-Bühne abzuschaffen und die Immobilie am Schiffbauerdamm Herrn Hochhuth und seinen Gelüsten zu überlassen. Die Zeitschrift Theater heute plädiert für eine symbolstarke Geste des Senats und regt an, die zwanzig Subventionsmillionen nicht länger ans BE zu verplempern, sondern damit ein neues, ein wahres BERLINER ENSEMBLE zu gründen, im Westen der Stadt, an der ehemaligen Freien Volksbühne - ohne Brecht, dafür aber mit Claus Peymann, dem Lieblingstheatermessias der Berliner seit jeher.

Soll man sich das wirklich wünschen? Soll man Berlin das wirklich wünschen?

Die BE-Agonie sachte zu beenden ist das eine. Das BE als Peymann-Ensemble wiederauferstehen zu lassen ein anderes. Peymann - der Name taucht immer dann auf, wenn man um Namen verlegen ist, und ist immer dann Programm, wenn man sonst keines hat. Und von Peymanns legendärem Ensemble am Wiener Burgtheater läßt sich sagen, daß nicht nur sein Ruf, sondern auch der Glaube an seine Existenz mit dem Quadrat der Entfernung von Wien wächst. Natürlich wäre zu wünschen, daß an der schönen Freien Volksbühne wieder Theater gespielt wird.

Aber Theater von heute, nicht Traumtheater von gestern.