die zeit: Gibt es noch Chancen, daß der Bundesrat den Gesetzentwurf zum großen Lauschangriff zu Fall bringt?

Henning Scherf: Ja, bis zur letzten Minute auf unserer Sitzung an diesem Freitag. Seit wir öffentlich darüber diskutieren, wird vielen nicht nur in meiner Partei klar, daß der Gesetzentwurf in manchen Teilen wirklich mißraten ist. Die richterliche Kontrolle über den Lauschangriff ist zu lasch, und es geht nicht an, daß wir Beichtstühle und Abgeordnetenzimmer wanzenfrei halten, Arztpraxen und die Büros von Journalisten dagegen nicht. Hier müssen wir nachbessern.

zeit: In Bremen sind Sie Chef einer Großen Koalition. Ihr Partner, die CDU, sperrt sich gegen die von Ihnen angemahnten Korrekturen. Bleiben Sie dennoch bis zur Abstimmung am Freitag bei Ihrer Haltung?

Scherf: Ja. Zunächst waren wir in der Koalition auch alle der Meinung, daß wir der Grundgesetzänderung zustimmen, dann aber für Nachbesserungen den Vermittlungsausschuß anrufen. Daß die Bremer Union plötzlich anders darüber denkt, ist ihr Problem.

Ich fühle mich in meiner Haltung bestätigt noch nie in meinem Leben habe ich in einer politischen Auseinandersetzung so viel Unterstützung gefunden. Die Ärztekammer, die Rechtsanwaltskammer, der Verleger- und der Journalistenverband - sie alle haben mich gebeten, standhaft zu bleiben. Das werde ich auch.

zeit: Selbst wenn dadurch das Bremer Regierungsbündnis platzen sollte?

Scherf: Ich hoffe nicht, daß es zum Bruch kommt wir verhandeln ja noch bis zum letzten Moment. Aber eines ist klar: Ich werde meine verfassungsrechtlichen Überzeugungen nicht opfern.